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Flüchtlingskinder lernen Deutsch

Staatskanzlei

Flüchtlingskinder lernen Deutsch

Mit den DaZ-Zentren hat das Land ein erfolgreiches Modell zur Sprachförderung etabliert.

Lernen in den DaZ-Zentren

DaZ-Zentren sind Bestandteil einer allgemein bildenden Schule und zuständig für die Sprachbildung von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache in einem definierten Einzugsbereich. Das heißt: Schulpflichtige Kinder und Jugendliche ohne oder mit äußerst geringen Deutschkenntnissen werden an einem zentralen Ort zusammen unterrichtet - von eigens ausgebildeten und dafür qualifizierten Lehrkräften.

Ziel dieser Sprachbildung ist es, dass Kinder und Jugendliche erfolgreich in Schule mitarbeiten können und einen Schulabschluss erreichen können, der ihrem individuellen Leistungsvermögen entspricht. Und das unabhängig davon, welche Muttersprache sie sprechen und welcher Herkunft sie sind.

Mehrstufiges Modell

Die DaZ-Sprachbildung erfolgt nach einem Mehrstufenmodell: Die Kinder und Jugendlichen starten in der Regel in der Basisstufe: Dort erhalten sie in der Regel 20-25 Wochenstunden DaZ-Unterricht, mindestens jedoch 15 Wochenstunden. In der verbleibenden Schulzeit werden sie dann in den Regelunterricht der anderen Klassen integriert. Diese Teilintegration erfolgt abhängig von der jeweiligen Sprachentwicklung der Schülerinnen und Schüler sukzessive in immer mehr Unterrichtsstunden und Fächern. Wie lange die Schülerinnen und Schüler den Unterricht in der Basisstufe besuchen, hängt ebenfalls von der Sprachentwicklung ab. Die Basisstufenschülerinnen und -schüler erhalten nach jedem Halbjahr und nach Abschluss der Basisstufe ein Zeugnis, das die Beschreibung der Sprachentwicklung sowie Beobachtungen zum allgemeinen Lern -und Sozialverhalten enthält. In der Regel dauert der Besuch der Basisstufe ein Schuljahr.

Danach geht es in die Aufbaustufe. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler verlassen die DaZ-Basisstufe und besuchen den Regelunterricht in vollem Umfang. Zusätzlich zum normalen Unterricht werden die Kinder zwei bis sechs Stunden von DaZ-Lehrkräften unterrichtet, um die Sprachbildung intensiv fortzusetzen und die zentralen Kompetenzen weiter aufzubauen. Dieser Prozess kann bis zu sechs Jahre dauern und orientiert sich bei Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe an der Erreichung des Sprachstandes nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (B2-Sprachniveau).Während und nach dieser Phase werden die Schülerinnen und Schüler im Rahmen durchgängiger Sprachbildung durch sprachsensiblen Unterricht in allen Fächern und in allen Schularten darin unterstützt, Deutsch als Bildungssprache möglichst gut zu beherrschen.

Ausgebildetes Fachpersonal

In den DaZ-Zentren und in den Aufbaustufen der allgemein bildenden Schulen unterrichten grundsätzlich Lehrkräfte mit einer Qualifikation für Deutsch als Zweitsprache, die sie entweder im Rahmen ihres Studiums, während ihres Referendariats oder in der dritten Phase der Lehrerbildung am IQSHerworben haben.

Die modularisierte DaZ-Qualifizierung im IQSH umfasst insbesondere die Themenbereiche „Erste Schritte DaZ - didaktische Prinzipien“, „Analogien zum Erstspracherwerb und Umgang mit Korrekturen“, „Curriculare Grundlagen und das schleswig-holsteinische DaZ-Mehrstufenmodell“ sowie „Alphabetisierung von Seiten- und Quereinsteigenden/Schriftspracherwerb“ (und anderes.). Die Weiterqualifizierung kann in sechs Präsenzmodulen oder als Blended-Learning-Format mit drei Präsenzelementen und online gestützten Lerneinheiten absolviert werden. Aufgrund der großen Nachfrage wird monatlich in der Regel ein Durchgang gestartet. Bislang wurden auf diesem Weg mehr als 1.000 Lehrkräfte qualifiziert.

In der zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung ist Deutsch als Zweitsprache integraler Bestandteil der Ausbildung im Fach Deutsch. Darüber hinaus erhalten alle Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst eine Einführung in das Konzept des Landes zur durchgängigen Sprachbildung.

Für künftige Lehramtsstudierende gilt, dass im Lehrkräftebildungsgesetz die durchgängige Sprachbildung als Pflichtelement in allen entsprechenden Studiengängen verankert worden ist, sodass sich die Universitäten des Landes bis 2017 an die Neuregelung anpassen.

Junge Lehrkräfte im Referendariat können ein DaZ-Zertifikat erwerben, das die Hausarbeit im Rahmen der Staatsprüfung ersetzt. Dieses DaZ-Zertifikat erhält, wer an dem Kurs „ Deutsch als Zweitsprache“ teilnimmt und diesen mit einer benoteten Abschlussklausur beendet. Partner dieses neuen Angebotes sind das IQSHund die Mercator-Stiftung. Dieser schulartübergreifende Zertifikatskurs umfasst fünf Präsenzmodule und zwei Webinare.

Mehr Stellen für DaZ

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den DaZ-Zentren der allgemein bildenden Schulen (Basisstufe) liegt im Juni 2017 bei 7.135 Schülerinnen und Schülern. An den Berufsbildenden Schulen und Regionalen Berufsbildungszentren liegt die Zahl bei 4.510 Schülerinnen und Schülern. Sie erhalten ein Angebot an Berufsorientierung und Deutschunterricht in den „Berufsintegrationsklassen Deutsch als Zweitsprache“ (BIK-DaZ)  und in der "Ausbildungsvorbereitung AV-SH". Die BIK-DaZ dauert in der Regel ein Schuljahr (Vollzeitunterricht), aber bei Bedarf werden auch im laufenden Schuljahr Schülerinnen und Schüler aufgenommen.

In den allgemein bildenden Schulen stehen für den DaZ-Unterricht in den Basis- und Aufbaustufen insgesamt 527 Lehrerstellen zur Verfügung. Im Berufsbildenden Bereich stehe für Deutsch als Zweitsprache 88 Stellen sowie zusätzlich rund 4,35 Millionen Euro zur Verfügung.

Angebote am Nachmittag und in den Ferien

Ein nachhaltiger Spracherwerb und eine gute soziale Integration gelingen vor allem dann, wenn die formalen Angebote in möglichst vielen alltäglichen Sprech- und natürlichen Kommunikationssituationen ergänzt und vertieft werden. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen hat die Landesregierung 2015 erstmals Mittel im Umfang von 1,5 Mio. Euro für einen „Sprachförderungs- und Integrationsvertrag“ für Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter bereitgestellt. Vertragspartner des Bildungsministeriums sind dabei die Freien Wohlfahrtsverbände.

2015 konnten auf der Grundlage dieses „Sprachförderungs- und Integrationsvertrages“ mehr als 120 Projekte in allen Teilen des Landes unterstützt werden, und zwar insbesondere an den Nachmittagen und in den Ferien. Das Angebot reicht von schulbegleitenden Lern- und Begegnungsangeboten über Projekte in den Bereichen Sport, Kunst, Theater und Musik. Der Vertrag über 1,5 Millionen Euro jährlich wurde auch für die Jahre 2016 und 2017 abgeschlossen.

Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen

Weil die Lehrkräfte in den Schulen immer häufiger mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, die in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Krieg und Gewalt erlebt haben, brauchen sie Grundkenntnisse und Basisstrategien im Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Deshalb hat das Ministerium eine Fortbildungsinitiative für Lehrkräfte und Sozialpädagoginnen und -pädagogen gestartet. Nach ersten Regionalkonferenzen folgten von Oktober 2015 bis Mai 2016 Fortbildungen, die 40 Stunden an zehn Nachmittagen umfasste. Sie sollen den Lehrerinnen und Lehrern vertiefte Kenntnisse im Umgang mit traumatisierten Kindern vermitteln, aber auch Hinweise auf Angebote und Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Einrichtungen (Jugendamt, Ausländerbehörde, Migrationsfachdienste) geben, damit mittelfristig vor Ort Netzwerke gebildet werden können. Die Regionalkonferenzen werden auch in 2017 fortgesetzt. Darüber hinaus erfolgte sukzessive ein Ausbau der Fortbildungen und Weiterqualifizierungen für Lehrkräfte in den Bereichen DaZ, Traumatisierung, Integration und Durchgängige Sprachbildung.

Einsatz von Dolmetschern / Kulturmittlern

Elternarbeit ist von großer Bedeutung: Um die Kommunikation zwischen Schule und nicht deutschsprechenden Eltern gewährleisten zu können, stellt das Bildungsministerium Finanzmittel für den Einsatz von Dolmetschern zur Verfügung, die im Rahmen ihrer Tätigkeiten an Schule auch als Kulturmittler/in fungieren.

Deutsches Sprachdiplom der KMK (DSD-I und DSD-Pro)

Das Deutsche Sprachdiplom der KMK unterstützt als schulische Prüfung die sprachliche Erstintegration von Schülerinnen und Schüler, die ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen nach Deutschland gekommen sind. Es stärkt die Chancen auf Teilhabe, fördert ihren schulischen Erfolg und erhöht die Chancen beim Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf. In Schleswig-Holstein wird die Durchführung des DSD seit dem Schuljahr 2015/16 umgesetzt; seit 2016/2017 ist das DSD-Pro, eine speziell auf die berufsbildenden Schulen ausgerichtete Prüfung, hinzugekommen.

Gestartet hat das Programm mit der Teilnahme von 50 Schülerinnen und Schülern, in 2016 nahmen bereits 193 DaZ-Schülerinnen und Schüler aus den allgemein- und berufsbildenden Schulen teil. Im Jahr 2017 wurden bereits rund 1.000 Schülerinnen und Schüler angemeldet.

Informationen auf Englisch, Arabisch, Farsi, Kurdisch, Russisch und Tigrinya