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Bildung für nachhaltige Entwicklung

Staatskanzlei

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Was kann ich heute tun, damit auch künftige Generationen eine lebenswerte Welt vorfinden? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Bildung für Nachhaltigkeit. Immer mehr Schulen in Schleswig-Holstein haben dieses Thema auf der Agenda.

An was werden sich die künftigen Generationen erinnern, wenn sie an unsere denken? Was wird von uns bleiben? Der medizinische Fortschritt? Gut möglich. Die Erfindung des Internets? Vermutlich. Sicher werden sie sich aber fragen, welche Lasten und damit auch Chancen wir ihnen hinterlassen haben. An diesem Punkt setzt die Idee der „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ an.

Gummistiefel Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) MSB © Sönke Zankel

Bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung geht es unter anderem darum, heute so zu handeln, dass auch die zukünftigen Generationen noch in einer lebenswerten Welt leben können. Damit dies erreicht werden kann, ist es wichtig, diesen Gedanken schon in der Schule zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur um Fragen, die abstrakt sind und sich fern vom Alltag der Schülerinnen und Schüler oder auch der Lehrkräfte und Eltern befinden. Im Gegenteil, es geht beispielsweise um die Reflexion des Konsums und damit auch um das eigene tägliche Handeln.

Dimensionen von BNE

BNE hat mehrere Zieldimensionen, oft wird auf drei Dimensionen verwiesen, die soziale Gerechtigkeit (Soziales), die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (Wirtschaft) und die ökologische Verträglichkeit (Umwelt). Zuletzt kam eine vierte Dimension hinzu, die demokratische Politikgestaltung (Politik). Diese Dimensionen sollen gemeinsam in den Blick genommen und untereinander abgestimmt werden und das vor dem Hintergrund der kulturellen Vielfalt.

Folglich wird beim BNE-Konzept eine Brille aufgesetzt, durch die sich der Blick auf Entscheidungen, Unterrichtsprojekte und ähnliches verändern kann, indem alle genannten Dimensionen in den Blick genommen werden. Leitfragen könnten dabei sein: Welche der BNE-Dimensionen sind wie beteiligt? In welchem Konflikt stehen BNE-Dimensionen zueinander? Welche Folgen bestehen im eigenen Handeln für die Menschen und andere Lebewesen heute und für die von morgen?

BNE am Beispiel

Eine Grundschule hat sich zum Ziel gesetzt, zur Gesundheit der Kinder beizutragen. Neben Bewegungsförderung konzentriert sie sich auf den Aspekt der gesunden Ernährung. Mit einer Überblickstafel werden die Eltern darauf hingewiesen, welche Lebensmittel in das Schulfrühstück gehören sollten und welche nicht. Schokolade ist beispielsweise nicht erwünscht. Bei der Gesundheit geht es auch um Lebenschancen, schließlich hat die Ernährung einen Einfluss auf die Lebenserwartung. All dies betrifft die soziale Dimension von BNE.

Der ökologischen Perspektive von BNE geht die Schule insofern nach, dass alle Schülerinnen und Schüler - gesponserte - Brotdosen haben, auch bekommen alle zu Beginn des Projekts Trinkflaschen, die sie wieder befüllen können. Einwegverpackungen und Müll werden damit reduziert. So wird auch die ökonomische Dimension beachtet, geht es doch auch gerade bei Kindern aus weniger finanzstarken Elternhäusern darum, mit Geld sparsam umzugehen. Hier bietet sich an, beispielsweise im Fach Mathematik mit Rechenbeispielen zu arbeiten, wie viel Geld ein Haushalt sparen könnte, wenn er von gekauften Wasserflaschen auf die Befüllung der eigenen Flasche mit Leitungswasser umsteigt. Wie viel Geld kann dadurch in einer Woche, in einem Monat, einem Jahr oder während der Grundschulzeit eingespart werden? Die ökonomische Perspektive erweitert den Blick, kann das Vorhaben weiterentwickeln.
Sehr gut ist bei diesem Praxisbeispiel, dass die Schule es im Schulprogramm und auch curricular implementiert hat. Es ist insofern nicht nur eine einmalige Aktion, sondern die Schule hat für Verstetigung gesorgt.

Zukunftsschule werden

Schulen, die sich auf dem Feld der Bildung für nachhaltige Entwicklung besonders engagieren, können sich zertifizieren lassen als Zukunftsschule - www.zukunftsschule.sh. Dabei gibt es ein dreistufiges Auszeichnungssystem. Die erste Stufe könnte wohl fast jede Schule in Schleswig-Holstein erreichen: Hier geht es primär um die Realisierung von zwei Vorhaben oder Projekten - im Bereich BNE beispielsweise die Mülltrennung. In der zweiten Stufe geht es um die Vernetzung mit anderen Zukunftsschulen und außerschulischen Partnern und in der dritten Stufe schließlich geht es um darum, den Gedanken der Nachhaltigkeit weiterzutragen in andere Schulen, beispielsweise durch Fortbildungen oder gemeinsame Veranstaltungen.

Informationen zu BNE

Info Zukunftsschulen

Info Liste der Kreisfachberatungen

Schulentwicklung

Wichtiger aber als diese Zertifikate sind die Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozesse, die im Sinne von BNE initiiert und vorangetrieben werden. Versucht man es auf eine einmalige Formel zu bringen, dann geht es nicht um einzelne Projekte, die mal von ein oder zwei Lehrkräften an einer Schule realisiert werden. Es geht vielmehr darum, die BNE-Arbeit langfristig und konstant in den Schulalltag zu integrieren und schrittweise Strukturen zu verändern. Nach und nach sollte die Schule in wesentlichen Teilen erfasst werden, beispielsweise durch die entsprechende Gestaltung schulinterner Curricula.

Ideenklau erwünscht

Wenn sich Schulen entwickeln wollen, müssen sie nicht nur die Strukturen verändern, sondern sie brauchen auch Inspirationen von außen. So kann man an vielen Schulen tolle Ideen sehen, aber noch selten tauschen sich die Schulen aus, holen sich Ideen von anderen, um sie dann auch selbst umzusetzen. Das Netzwerk Zukunftsschule bietet genau hier Ansätze. So können interessierte Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler nicht nur auf der Internetseite www.zukunftsschule.de nach Ideen für bestimmte BNE-Themen suchen und dann Kontakt zu Schulen aufnehmen, die bereits Erfahrungen mit diesen Themen gesammelt und Projekte umgesetzt haben. Auch die Kreisfachberater verstehen sich als Multiplikatoren und Personen, die Ideen weitertragen, damit sie auch von anderen Schulen umgesetzt werden können.

Lernchancen

Eigentlich geht es bei BNE nicht nur darum, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, sondern darum, dass alle Mitglieder der Schulgemeinschaft angesprochen werden. Lehrkräfte werden beispielsweise in Schulentwicklungsprozessen zwangsläufig weitergebildet, unter anderem durch die neue Ideen von den anderen Zukunftsschulen, indem sie an BNE-Fortbildungsprogrammen teilnehmen und im Schulentwicklungskontext dadurch, dass die Perspektive erweitert geht: Es geht nicht mehr nur um „Ich und mein Unterricht“, sondern um „Wir und unsere Schule.“ Dies ist ein wichtiger Teil des professionellen Verständnisses von Lehrkräften.

Darüber hinaus gibt es im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung viele Themen, die jeden einzelnen von uns auf individueller Ebene als täglichen Verbraucher betreffen und ansprechen. Dies gilt beispielsweise für den Ressourcen schonenden und zugleich sozial verträglichen Konsum. Konkret könnten solche Fragen relevant sein: Welche Möglichkeiten habe ich, ökologisch und sozial produzierte Kleidung zu kaufen? Verwende ich bei meinem gesamtem Papierkonsum Recyclingpapier? Kaufe ich Mehrwegflaschen oder nur Pfandflaschen? Solche Fragen laufen dann auf die entscheidende Frage hinaus: Setze ich das aus meiner Sicht als richtig Bewertete auch in meinem Alltag um und handle ich entsprechend? Schule kann für diese Fragen der Nachhaltigkeit sensibilisieren. Wie sich der Einzelne dann entscheidet, bleibt natürlich ihm selbst überlassen.

Beratungsangebote

In Schleswig-Holstein gibt es in jedem Kreis eine Fachberatung für BNE und Umweltbildung, den jede Schule kontaktieren kann. Die Fachberaterinnen und Fachberater kommen in die Schulen, können zum Beispiel bei der Entwicklung von Unterrichtideen zu BNE helfen oder bei der Weiterentwicklung vorhandener Projekte. Zugleich stellen sie Kontakte zu außerschulischen Partnern her und können für Fortbildungen gebucht werden. Auch die Gestaltung von BNE-Schulentwicklungsprozessen begleiten die Kreisfachberaterinnen und -berater.