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Kitesurfen an Nord- und Ostsee

Staatskanzlei

Kitesurfen an Nord- und Ostsee

Kitesurfen ist ein faszinierender, naturnaher Sport, der in den Meeren Schleswig-Holsteins seinen Platz hat – und ihn auch in Zukunft haben wird.

Da Kiten aber auch Auswirkungen auf die sensible Vogelwelt hat, ist es sinnvoll, klarer zu regeln, wo gekitet werden kann und wo Naturräume den Tieren vorbehalten werden. Hier ein Überblick, wie an Nord- uns Ostsee Kiten und Natur zusammengebracht werden (12.9.2017):

Nordsee

Ein besonderes Augenmerk liegt bei der Thematik des Kitesurfens auf dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Der Nationalpark ist auf gesamter Fläche Schutzgebiet der höchsten Kategorie und ist eine der weltweit wichtigsten Brut- und Raststätten für mehrere Millionen Vögel. Insgesamt nutzen 10 bis 12 Millionen Vögel das deutsch-dänisch-niederländische Wattenmeer als Brut-, Rast- oder Überwinterungsgebiet – einer der wesentlichen Gründe für die Anerkennung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe im Jahr 2009.

Vor diesem Hintergrund wird die immer beliebtere und wachsende Sportart Kitesurfen bereits seit 2005 im Nationalpark diskutiert. Ziel ist es, Störungen auf die Vogelwelt zu verhindern. Zuletzt hat 2010 die trilaterale Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres mit Unterstützung der damaligen Landesregierung im Wattenmeerplan eine Regelung und Ausweisung von Kiteflächen im Schutzgebiet als notwendig erachtet.

Beliebte Spots sollen bleiben

Nach umfangreichen Gesprächen sollen im Nationalpark großräumige Kitegebiete ausgewiesen werden, und zwar im Wesentlichen dort, wo schon jetzt gekitet wird. Die großen Strände vor den Inseln oder St.-Peter-Ording sowie die zugänglichen und beliebten Kitesurfer-Spots an der gesamten Küste werden weiterhin Kite-Reviere bleiben. Die vorgeschlagene Kulisse soll nun in Detailkarten fixiert werden.

Diese geplante Regelung ist für die nationalen und internationalen Kitesurfer nichts Ungewöhnliches. Die Ausweisung von Kitegebieten wird auf den meisten deutschen und europäischen Wasserflächen, mit und ohne Naturschutzstatus, seit langem praktiziert und hat sich bewährt.

Infos zum Nationalpark Wattenmeer

info Nationalpark Wattenmeer

info Weltnaturerbe Wattenmeer

Änderungen über Bundesrecht

Der Schiffsverkehr und Wassersport im Nationalpark wird durch eine Bundesverordnung geregelt. Daher hatten schon 2006 die drei Wattenmeer-Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen beim Bundesverkehrsminister einen gemeinsamen Antrag auf Änderung der bestehenden Befahrensverordnung gestellt (damals noch ohne Kitesurfen), der aber vom Bund nicht abschließend beschieden wurde.

Das Thema Kitesurfen wurde bereits 2005 diskutiert, damals aber aufgrund der noch geringen Bedeutung zurückgestellt. Diese Situation hat sich in den letzten 10 Jahren und zunehmender Beliebtheit dieser Sportart auch im Nationalpark deutlich verändert. Daher wurde die Notwendigkeit, Kitezonen über eine Änderung der Befahrensverordnung des Bundes (zuständig ist das Bundesverkehrsministerium) auszuweisen, erneut beraten und beschlossen.

Die Landesregierung Schleswig-Holstein hatte im Mai 2017 gemeinsam mit Niedersachsen und Hamburg einen Antrag an das Bundesverkehrsministerium (BMVI) gestellt. Nach Bildung der neuen Regierung war dieser Antrag entsprechend der Aussagen im Koalitionsvertrag der Jamaika-Koalition im Punkt Kitesurfen ruhend gestellt. Zwischenzeitlich hat die Landesregierung mit Unterstützung des Landtagsabgeordneten Dennys Bornhöft, eines Kenners der Kite-Szene, und in Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden die Kulisse der Kitesurfgebiete nochmals erweitert. Der Antrag an das BMVI wird mit der erweiterten Kitesurfkulisse nun wieder aktiviert. Die Kitesurfgebiete werden nicht als befristete Ausnahme von einem allgemeinen Verbot beantragt, sondern als Gebiete, die dauerhaft für das Kitesurfen genutzt werden können.

Portraitfoto Dr. Robert Habeck

Wir wollen Natur und Sport in besseren Einklang bringen. Es wird kein generelles Kite-Verbot geben und keine zeitlichen Befristungen.

Dr. Robert Habeck

Ostsee

Die schleswig-holsteinische Ostsee ist anders als der Nationalpark Wattenmeer nicht in Gänze ein Schutzgebiet. Vielmehr sind hier zwei Arten von Schutzgebieten getrennt zu betrachten:

Naturschutzgebiete

Für zehn ausgewählte Naturschutzgebiete, die Wasserflächen der Ostsee umfassen, wurde die Verordnung über das Befahren von Bundeswasserstraßen in bestimmten schleswig-holsteinischen Naturschutzgebieten im Bereich der Ostsee (Ostsee-Schleswig-Holstein-Naturschutzgebietsbefahrensverordnung-OstseeSHNSGBefV) vom 27. September 2016 durch den zuständigen Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur erlassen. Diese Verordnung trat am 1. Oktober 2016 in Kraft. 

Für diese zehn Gebiete erfordert der Schutzzweck des jeweiligen Naturschutzgebietes die vorgenommenen Einschränkungen der Befahrensmöglichkeiten. Dabei handelt es sich um 0,29 Prozent der Wasserfläche der schleswig-holsteinischen Ostsee-Küstengewässer. Der Erlass beruht auf Anträgen, die vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein in den Jahren 2009 und 2011 sowie nach erneuter Aufforderung durch das Bundesverkehrsministeriums im Jahr 2015 eingereicht wurden.

Vogelschutzgebiete

Neben den Kleinkulissen um die Naturschutzgebiete gibt es noch großräumige EU-Vogelschutzgebiete. In kleineren Teilen dieser Vogelschutzgebiete sammeln sich im Winter die Wasservögel des gesamten Ostseeraumes, um hier den Winter zu überstehen.

Schon jetzt verzichten etwa in den sehr kleinräumigen Rast- und Fressplätzen zum Beispiel für Eiderenten in den Wintermonaten die Berufsfischer freiwillig auf den Fischfang mit dem Stellnetz, in dem sich tauchende Meeresvögel verheddern und ertrinken. Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein hat mit dem Deutschen Segler-Verband e.V. im September 2016 eine Freiwillige Vereinbarung zum Schutz von rastenden Meeresvögeln in den Europäischen Vogelschutzgebieten im Schleswig-Holsteinischen Küstenmeer der Ostsee abgeschlossen. Dieser Vereinbarung sind der Segler-Verband Schleswig-Holstein e.V. sowie der Verband Deutscher Wassersport Schulen e.V. beigetreten. Im Rahmen dieser Vereinbarung haben sich die Segelsportler verpflichtet einen ausreichenden Abstand zu Vogelansammlungen auf dem Wasser einzuhalten und sich in den Wintermonaten den freiwilligen Beschränkungen der Fischer in den kleinräumigen Rast- und Fressplätzen der Rastvögel anzuschließen. Das Ministerium erwartet, dass sich auch die in diesen Verbänden nicht organisierten Wassersportler an diese Vereinbarung halten werden.

Über ein Meldesystem im Internet wird informiert, wann Tauchenten in größerer Zahl auf den Spots sind und dort aufs Kiten verzichtet werden sollte. Es handelt sich dabei um die Monate November bis einschließlich Februar.

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