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Minderheiten in Schleswig-Holstein -
Friesen

Staatskanzlei

Minderheiten in Schleswig-Holstein -
Friesen

Friesen leben im Norden des Landes Schleswig-Holstein: an der Westküste, den nordfriesischen Inseln und auf Helgoland. Die Zahl derjenigen, die sich von Abstammung und Selbstverständnis her als Nordfriesen fühlen, wird auf etwa 50.000 Personen geschätzt - das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung dieser Region.

Geschichte

Friesen gibt es seit über 2000 Jahren. Im Jahr 12 vor Christus werden sie von römischen Geschichtsschreibern erstmals erwähnt. Die frühe nordfriesische Geschichte aber liegt weitgehend im Dunkeln. Archäologische und sprachwissenschaftliche Befunde belegen, dass die Friesen in zwei Schüben von ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet zwischen Zuidersee (heute Ijsselmeer) und Weser nach Nordfriesland wanderten. Im 8. Jahrhundert wurden vor allem die Inseln und Halligen besiedelt. Die Besiedlung der Marschgebiete auf dem Festland erfolgte dann zur Jahrtausendwende. Auseinandersetzungen mit dem expandierenden Frankenreich, die Wirren der Wikingerzeit, vielleicht ein Ausweichen vor der Christianisierung werden als Gründe für die Wanderung nach Nordfriesland angenommen.

Einen nordfriesischen Staat hat es nie gegeben. Nur zweimal in der friesischen Geschichte wurde der Gedanke an einen nordfriesischen Staat formuliert: 1848 durch den nordfriesischen Revolutionär Harro Harring und 1919/20 durch den Bauernpolitiker Cornelius Petersen. Diese Ideen fanden aber keinen Anklang in der friesischen Bevölkerung.

Eine eigene Flagge haben die Nordfriesen trotzdem. Das Wappen auf der Flagge zeigt neben der dänischen Krone und einem halben deutschen Reichsadler einen Grütztopf. Der Legende nach sollen friesische Frauen Gegner mit heißer Grütze vertrieben haben. Das im 19. Jahrhundert geprägte politische Schlagwort "Lewer duad üs slav!" (Lieber tot als Sklave) betont den sprichwörtlichen Unabhängigkeitssinn der Friesen.

Die friesische Sprache

Das Friesische ist eine eigenständige Sprache. Es gehört wie Englisch, Niederländisch und Deutsch zur westgermanischen Sprachengruppe. Neben Nordfriesisch gibt es noch das Westfriesische, das in der Provinz Friesland in den Niederlanden gesprochen wird, und das Saterfriesische im niedersächsischen Saterland. Das Ostfriesische ist in seinem ursprünglichen Kernland ausgestorben - hier wird seitdem plattdeutsch gesprochen.

Nordfriesisch gehört zu den Minderheitensprachen, die von der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt werden. Es ist eine der kleinsten Sprachen in Europa. Annähernd 8.000 bis 10.000 Menschen beherrschen die nordfriesische Sprache. Passive Sprachkenntnisse haben ungefähr doppelt so viele. Das Bökingharder und das Fering gehören zu den meist gesprochenen Mundarten des Friesischen. Für die Hauptdialekte des Nordfriesischen liegen Wörterbücher und Sprachlehren sowie zahlreiche literarische Werke vor. An 27 Schulen in Schleswig-Holstein wird friesischer Unterricht erteilt (Stand Schuljahr 2006/2007). Es sind überwiegend Grundschulen. An den Universitäten Kiel und Flensburg kann Friesisch studiert werden.

Zweisprachiges Ortsschild von Niebüll in friesischer und hochdeutscher Sprache Zweisprachiges Ortsschild (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © M. Staudt / grafikfoto.de

Die unterschiedliche Besiedlung Nordfrieslands zeigt sich heute noch deutlich in den unterschiedlichen Dialekten. So besteht das Nordfriesische aus den zwei Dialektgruppen "Festland-Nordfriesisch" und "Insel-Nordfriesisch", die sich wiederum in neun Mundarten unterscheiden. Die unterschiedlichen Varianten des Friesischen hindern die Friesen aber nicht daran, sich untereinander zu verständigen.

Viele Touristen kommen im Februar zu den traditionellen Biikefeuern nach Schleswig-Holstein Tourismusagentur Schleswig-Holstein

Die Mundarten des Festland-Nordfriesisch sind: Wiedingharder, Bökingharder, Karrharder (vom Aussterben bedroht), Nordergoesharder, Mittelgoesharder (vom Aussterben bedroht), Südergoesharder (um 1980 ausgestorben), Halligfriesisch (vom Aussterben bedroht). Das Insel-Nordfriesisch teilt sich in Syltring (Sölring), Föhring-Amring (Fering, Öömrang) und Helgoländisch (Halunder).

Friesische Traditionen

Jedes Jahr am 21. Februar brennen an der nordfriesischen Küste, auf den Inseln und Halligen über 60 Biiken (Leuchtfeuer). Biike ist friesisch und bedeutet "Feuerzeichen". Die Biike geht bis auf heidnische Zeiten zurück. Schon vor 2.000 Jahren sollte der Opferbrand den Gott Wotan gnädig stimmen und ihn dazu bewegen, die eisige Jahreszeit zu beenden.

Die Feuer leuchteten auch nach der Christianisierung weiter über die See. Seit dem 17. Jahrhundert dienten die Biike-Feuer nach einem langen Winter den auslaufenden nordfriesischen Walfängern als Abschiedsgruß. Und weil man vor der lebensgefährlichen Arbeit auf See alle Rechtsfragen geordnet haben wollte, wurden auch Gerichtstage gehalten. Heute sind die Feuer eine beliebte Touristenattraktion.

Boßeln: der "Nationalsport" der Friesen

Im Volksmund heißt es scherzhaft: "Der Friese lernt zuerst das Laufen, dann aber das Boßeln." Boßeln ist eine Sportart. Zwei Mannschaften versuchen durch den Wurf einer Kugel eine abgesteckte Strecke mit möglichst wenig Würfen zu überwinden. Dabei gibt es keine feste Wurfbahn, die Wettbewerbe finden auf Straßen statt.

Boßel-Spieler tragen hinter dem Deich einen Wettkampf aus Boßeln gilt als friesischer Nationalsport (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © M. Ruff / grafikfoto.de

Das Spiel geht auf eine Art militärisches Training der Friesen für die Dorfverteidigung zurück. Die Friesen besaßen in der Vergangenheit keine Waffen und konnten sich daher gegen Seeräuber und andere Eindringlinge nur mit Steinen und wohl gezielten Lehmkugeln wehren.

Boßeln wird überwiegend in den norddeutschen Küstenregionen, aber auch weltweit gespielt. Friesische Auswanderer brachten das Spiel nach Amerika. Heute finden im Boßeln regelmäßig nationale und internationale Meisterschaften statt.

Organisationen der Friesen

Als Dachorganisation der Friesen vereinigt der Interfriesische Rat die Nordfriesen und Ostfriesen in Deutschland mit den in den Niederlanden lebenden Westfriesen. Die zwei größten nordfriesischen Vereinigungen sind der Nordfriesische Verein e.V. und der Friisk Foriining. Sie sind Dachorganisationen zahlreicher kleinerer Ortsvereine und Gruppen. Alle nordfriesischen Organisationen arbeiten im Friesenrat Sektion Nord e.V. zusammen. Er ist der zentrale Ansprechpartner von Bund, Land, Kreis Nordfriesland und dessen Kommunen.

Von großer Bedeutung für die Pflege der friesischen Sprache, der Kultur und der Geschichte ist das "Nordfriisk Instituut" in Bredstedt als zentrale wissenschaftliche Einrichtung. Es versteht sich als Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissenschaft und Laienforschung. Das Institut ist vor allem auf dem Gebiet der Sprache, Geschichte und Landeskunde wissenschaftlich und publizistisch tätig. Die Arbeit wird überwiegend aus Zuschüssen des Landes Schleswig-Holstein finanziert.