Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Minderheiten - 60 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen

Staatskanzlei

Minderheiten - 60 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen

1955 unterzeichneten Deutschland und Dänemark die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen. Sie gelten bis heute als Erfolgsmodell für den Umgang mit Minderheitenfragen in Europa. Der 60. Jahrestag der Unterzeichnung wurde am 26. März 2015 mit einem Festakt in Berlin gefeiert.

"60 Jahre Bonn-Kopenhagener-Erklärungen sind für uns in Schleswig-Holstein kein Grund, uns auf Erfolgen auszuruhen. Sie sind Ansporn, es noch viel besser zu machen, beispielsweise mit einer eigenständigen Sprachenpolitik. Wir wollen die Sprachen der Minderheiten öffentlich noch wahrnehmbarer machen", sagte Ministerpräsident Torsten Albig in Berlin.

Weg der Toleranz

An dem Festakt mit gut 150 Gästen in der Vertretung des Landes Schleswig-Holstein beim Bund nahmen auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der dänische Außenminister Martin Lidegaard teil. "Das zeigt, wie eng unsere Zusammenarbeit ist. Während die Minderheitenfrage anderswo in Europa mit Gewalt und Vertreibung angegangen wurde, wählten Dänemark und das demokratische Nachkriegs-Deutschland vor 60 Jahren den Weg der Toleranz", so der Ministerpräsident.

Minderheitenpolitik auf Augenhöhe

Wie Albig weiter sagte, habe Schleswig-Holstein die Bonn-Kopenhagener Erklärungen in den vergangenen 60 Jahren in vielen Bereichen mit Leben gefüllt. Das Grenzland, das Dänemark und Schleswig-Holstein verbinde, werde heute europaweit als Modellregion für Minderheitenpolitik auf Augenhöhe beachtet. Seit gut 25 Jahren gebe es in Schleswig-Holstein außerdem das Amt des Minderheitenbeauftragten. Sie seien stets gute Beraterinnen und Berater ihrer Regierungschefs gewesen und hätten Impulse für eine moderne Minderheitenpolitik gesetzt.

Was bedeuten die Erklärungen 2015 für Schülerinnen und Schüler im Grenzgebiet?

Gemeinsame Anstrengungen

Schleswig-Holstein sei auch stolz, dass es im Grenzgebiet in Flensburg weitere Institutionen von internationaler Bedeutung gebe, die die Bonn-Kopenhagener Erklärungen mit Leben füllen: die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) und das European Centre for Minority Issues (ECMI). "Wir brauchen beider Einsatz weit über die deutsch-dänische Grenzregion hinaus. Lange galten Deutsch und Dänisch als unvereinbare Gegensätze. Schleswig-Holstein und Dänemark trennte eine Grenze - und diese wurde immer wieder unter Blutvergießen und Tränen verschoben. Heute verbindet uns eine Grenze", so der Ministerpräsident.

Hintergrund: Die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen

Am 29. März 1955 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der dänische Ministerpräsident Hans Christian Hansen die Bonn-Kopenhagener Erklärungen. Sie bestätigen die geltenden Freiheitsrechte, besonders das freie Bekenntnis zur jeweiligen Sprache und Kultur, und die Gleichbehandlung für die etwa 20.000 Angehörigen der deutschen und ca. 50.000 Angehörigen der dänischen Minderheit auf beiden Seiten der Grenze in Dänemark und in Schleswig-Holstein.

Prinzip der Bekenntnisfreiheit

Das zentrale Prinzip ist die Bekenntnisfreiheit. Das bedeutet: Deutscher ist, wer Deutscher sein will; Däne ist, wer Däne sein will. Die Zugehörigkeit wird von staatlicher Seite nicht festgeschrieben oder anhand irgendwelcher Kriterien objektiv festgestellt.
Das Bekenntnis zu Volkstum und Kultur ist frei und darf von Amts wegen nicht bestritten oder nachgeprüft werden.
Angehörige der Minderheiten und ihrer Organisationen dürfen am Gebrauch der gewünschten Sprache in Wort und Schrift nicht gehindert werden.
Bei Unterstützungen und sonstigen Leistungen aus öffentlichen Mitteln dürfen Angehörige der Minderheiten gegenüber anderen Staatsbürgern nicht unterschiedlich behandelt werden.
Das besondere Interesse der Minderheiten, ihre religiösen, kulturellen und fachlichen Verbindungen über die Grenzen hinweg zu pflegen, wird anerkannt.

Ein Erfolgsmodell

Die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen gelten heute als Modell für die Behandlung von Minderheitenfragen in Europa, bei der die Prinzipien der Toleranz, der Liberalität und der Gegenseitigkeit in der Politik zweier Staaten ihren Niederschlag gefunden haben. Sie waren eine der Grundlagen für das spätere Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten.

Die Festveranstaltungen zu den vorangegangenen runden Jahrestagen der Bonn-Kopenhagener-Erklärungen haben in Bonn (1985), Schleswig (1995) und in Sonderburg/Dänemark (2005) stattgefunden.

Ministerpräsident Albig im Interview

Das Interview für den dänischen Sender DK 4 Television wird auf Deutsch geführt und ist mit dänischen Untertiteln versehen.

Gemeinsame Erklärung

Gemeinsame Deutsch-Dänische Erklärung zum 60. Jahrestag der Bonn-Kopenhagener Erklärungen (PDF 28KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Fælles dansk-tysk erklæring i 60-året for København-Bonn erklæring (PDF 26KB, Datei ist nicht barrierefrei)