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Schleswig-Holstein -
Sturmflut von 1962

Staatskanzlei

Schleswig-Holstein -
Sturmflut von 1962

Katastrophenalarm in Schleswig-Holstein: gebrochene Deiche, überflutete Häuser und Menschen, die auf ihren Dächern Zuflucht suchen. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 toben Sturm und Wasser über der Nordseeküste und Tideelbe und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Zeitzeugen erinnern sich.

Die Wassermassen drücken immer stärker gegen die Deiche der Nordseeküste. An manchen Orten überspülen die Fluten sogar schon die küstennahen Häuser. Die Bewohner versuchen, ihr Hab und Gut gegen die Wassermassen zu verteidigen. "Die Flut 1962 wird mir immer als ein grausiges und furchterregendes Ereignis in Erinnerung bleiben. Es war anders als alles, was ich bis dahin an der Küste erlebt habe", sagt Ministerpräsident a.D. Peter Harry Carstensen, der als 14-Jähriger die Naturkatstrophe in Nordstrand an der nordfriesischen Westküste miterlebt.

Die Vorboten

Für die Küstenbewohner ist die Wetterlage am morgen des 16. Februar nichts neues: Es hat schon mehrere Stürme gegeben in diesem Jahr. Aber an diesem Tag bleibt der Wasserstand auch bei Ebbe bedrohlich hoch und der Sturm nimmt weiter zu. Der Orkan "Vincinette" rast mit 130 Stundenkilometern auf die Nordseeküste zu. Das Deutsche Hydrographische Institut (DHI) warnt darum am Vormittag vor einer schweren Sturmflut an der gesamten Nordseeküste. Ab mittags sendet auch das Radio regelmäßig eine Sturmflutwarnung.

Zur Zeit der Sturmflut war Peter Harry Carstensen 14 Jahre alt und wohnte mit seiner Familie auf Nordstrand. Bei seinem Vater laufen damals von Amts wegen Unwetterwarnungen auf. "Dass dieser Sturm anders war als alle anderen zuvor, das konnte ich an der Reaktion meines Vaters spüren. Ich dachte damals: Wenn mein Vater sich Sorgen macht, dann muss es übel kommen."

Land unter auf den Halligen

Die nordfriesischen Inseln und Halligen trifft die Sturmflut am schlimmsten. Fiede Nissen, Postschiffer und Bürgermeister von Langeness und Oland, ist damals 12 Jahre alt und lebt mit seiner Familie auf der Hallig Langeness: "Wir haben das Wasser mit Eimern abgeschöpft und zur Tür hinausgeworfen. Und eine Stunde später schlugen die Fenster ein. Wir hielten Kopfkissen vor die zerbrochenen Scheiben, um das Wasser aufzuhalten. Als wir sahen, dass es aussichtslos war, sind wir auf den Heuboden."

Deichbrüche an der Westküste

Auch die Bewohner des Festlands haben mit dem Sturm zu kämpfen. In Husum steigt der Wasserpegel mit 5 Metern über Normalnull (NN) so hoch, wie es die Bewohner noch nicht erlebt hatten.

Besonders schlimm kommt es für die Menschen im Uelvesbüller Koog auf Eiderstedt. Um Mitternacht steht das Wasser bis zu anderthalb Meter hoch in den Häusern. Im letzten Moment evakuieren Einsatzkräfte die Bewohner, die sich von ihren überfluteten Häusern trennen müssen. Auch in Büsum verlassen 1.000 Menschen ihre Häuser in den niedrig gelegenen Stadtteilen. Lastkraftwagen transportieren sie ins sichere Heide. "Evakuieren ist etwas ganz Schreckliches. Man geht, ohne zu wissen, ob man zurückkommen kann und ohne zu wissen, was man dann vorfinden wird", sagt Ministerpräsident a.D. Carstensen.

Itzehoe, Elmshorn und Uetersen überschwemmt

Aber nicht nur die Küste hat unter dem Sturm zu leiden. Der Wind presst die Wassermassen über die Elbe und ihre Nebenflüsse nach Itzehoe, Elmshorn und Uetersen. Die Städte werden überschwemmt und die Stromzufuhr reißt teilweise ab.

Schwarz-weiß-Foto eines schwer beschädigten ReetdachhausesGebäudeschaden auf Hallig Hooge © Dr. Erich Wohlenberg

Der Tag danach

Erst zwanzig Stunden später nimmt der Sturm ein Ende. Die schlimme Bilanz: Unzählige Häuser sind beschädigt. Von manchen bleiben nur noch Mauerreste übrig. Die Deiche des Festlands sind auf 150 Kilometern schwer beschädigt. Aber wie durch ein Wunder brechen sie nur an wenigen Stellen. Dabei kommt Schleswig-Holstein noch mit dem Schrecken davon. Hier kostet der Sturm kein Menschenleben. Schlimme Nachrichten treffen dagegen von Schleswig-Holsteins Nachbarn ein: In Hamburg verlieren 315 Menschen ihr Leben. Viele überrascht der Sturm im Schlaf.

Antwort auf die Sturmflut

Viele Einsatzkräfte und freiwillige Helfer arbeiten zusammen am Wiederaufbau der überschwemmten Gebiete. Die Schleswig-Holsteiner sind sich einig: Die Katastrophe vom Februar 1962 darf sich nicht wiederholen. Am 20.12.1963 verabschiedet die Landesregierung den "Generalplan Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz". Das Ziel: Modernisierung und Ausbau des Küstenschutzes. Die Sturmflut von 1962 hatte bewiesen, dass die Deiche zu niedrig und zu steil angelegt sind. Das Wasser legt bei flach zulaufenden Böschungen einen längeren Weg zurück und übt weniger Druck auf die Deiche aus. Zum weiteren Schutz werden Sperrwerke wie das Eidersperrwerk erbaut.

Im Januar 1976 ruft eine erneute schwere Sturmflut die furchtbaren Erinnerungen der Nordseeküstenbewohner an 1962 wach. Mit weitaus höheren Windgeschwindigkeiten und Wasserständen richtet die Sturmflut jedoch keine vergleichbaren Schäden an. Der Ausbau des Küstenschutzes hat Schlimmeres verhindert und sich als unverzichtbar für Schleswig-Holstein erwiesen, denn fast ein Viertel des Landes ist überflutungsgefährdet.

(Quelle: u.a. dpa)

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