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Schleswig-Holstein -
Nobelpreisträger

Staatskanzlei

Schleswig-Holstein -
Nobelpreisträger

Thomas Mann, Günther Grass, Willy Brandt, Max Planck: Die Namen mehrerer Nobelpreisträger sind eng mit Schleswig-Holstein verbunden.

Willy Brandt

(1913 - 1992), Politiker und Journalist, arbeitet unter seinem Geburtsnamen Ernst Karl Frahm im Umfeld von Julius Leber beim "Lübecker Volksboten". 1933 nennt er sich auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ins skandinavische Exil Willy Brandt. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert er sich in der SPD und wird 1957 Regierender Bürgermeister von Berlin, wo er Mauerbau und Kalten Krieg direkt miterlebt. Als SPD-Parteivorsitzender wird er 1966 zunächst Außenminister, drei Jahre später Bundeskanzler. 1974 tritt er wegen der Spionageaffäre Guillaume von dem Amt zurück. Für seine Ost- und Deutschlandpolitik erhält er 1971 den Friedensnobelpreis.

Günter Grass

Günter Grass (1927-2015) Literaturnobelpreisträger Günter Grass (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Günter Grass (1927-2015) © dpa

(1927 - 2015), Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker, schuf mit seinem Roman "Die Blechtrommel" (1959) eines der bedeutendsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur. Nach der Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft absolvierte er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf, studierte dann Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. Während der Sechzigerjahre engagierte Günter Grass sich als Wahlkämpfer für die SPD und Willy Brandt. Grass war politisch sehr aktiv und kommentierte häufig das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen. Günter Grass hat zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten. 1999 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet, weil er laut der Jury "in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat". Bis zu seinem Tod wohnte Grass in Behlendorf in der Nähe von Lübeck. In der Hansestadt selbst befindet sich das Günter-Grass-Haus mit dem überwiegenden Teil seiner literarischen und künstlerischen Originalwerke.

Olav Hohmeyer

(geboren 1953), Wirtschaftswissenschaftler, studierte von 1974 bis 1975 Volkswirtschaftslehre und Informatik am Tougaloo College, Mississippi / USA und von 1975 bis 1980 Wirtschaftswissenschaften an der Universität in Bremen. Zwischen 1982 und 1993 arbeitete er am Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe. 1994 bis 1998 leitete er den Forschungsbereich "Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung" in Mannheim. Seit Juli 1998 hat Hohmeyer die Professur für Energie- und Ressourcenwirtschaft an der Universität Flensburg inne. International bekannt wurde der Glücksburger durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der sozialen Kosten des Energieverbrauchs. 2007 ehrte die Verleihung des Friedensnobelpreis an den UN-Klimarat auch Hohmeyer, der als einziger Deutscher zu den 30 Mitgliedern des internationalen "Bureau of Intergovernmental Panel on Climate Change" (Bureau of IPCC) gehört.

Philipp Lenard

(1862 - 1947), Physiker, studierte Naturwissenschaften in Budapest und Wien sowie Physik in Berlin und Heidelberg. Von 1898 bis 1907 war er Professor und Leiter des Physikalischen Instituts in Kiel. 1905 erhält er den Physik-Nobelpreis für seine Untersuchungen der Kathodenstrahlung. Sein wissenschaftliches Wirken ist heute überschattet durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP und aktive Unterstützung des Nationalsozialismus.

Thomas Mann

Porträt von Thomas Mann Thomas Mann (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Thomas Mann © Buddenbrookhaus Lübeck

(1875 - 1955), Schriftsteller und Nobelpreisträger, lebte bis zu seinem 23. Lebensjahr in Lübeck. In seinen Werken verarbeitete er Erinnerungen an das Lübeck seiner Kindheit. Mit Romanen wie "Buddenbrooks" oder "Zauberberg" erlangte er Weltruhm. 1929 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Während des Ersten Weltkriegs noch voller Begeisterung für Krieg und Kaiserreich wandelte er sich zum "Vernunftsrepublikaner" und politischen Mahner. Mann zählte zu den wichtigsten prominenten Gegnern des Nationalsozialismus. Am 11. Februar 1933 begab sich der Schriftsteller auf eine Reise durch Europa, von der er nach der nationalsozialistischen Machtübernahme nicht nach Deutschland zurückkehrte. Im Dezember 1936 entzogen ihm die Nazis die deutsche Staatsbürgerschaft und die Ehrendoktorwürde, die ihm 1919 die Universität Bonn verliehen hatte. 1938 emigrierte Mann in die USA und kehrte 1952 nach Europa zurück, um in der Schweiz zu leben. Ein letztes Mal besuchte Thomas Mann seine Vaterstadt Lübeck im Mai 1955, wo er die Ehrenbürgerwürde verliehen bekam.

Otto Meyerhof

(1884 - 1951), Biochemiker, Philosoph und Psychologe, schrieb in Kiel seine Habilitation und war dort anschließend außerordentlicher Professor. 1922 erhielt er den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung gesetzmäßiger Verhältnisse zwischen dem Sauerstoffverbrauch und dem Milchsäureumsatz im Muskel. 1923 wurde er nach Berlin an die heutige Max-Planck-Gesellschaft berufen, 1929 nach Heidelberg. 1935 entzogen ihm die Nationalsozialisten die Lehrbefugnis. Der politische Druck wurde schließlich so groß, dass er erst nach Frankreich und schließlich in die Vereinigten von Amerika auswandern musste.

Theodor Mommsen

(1817 - 1903), Jurist und Historiker, geboren in Garding. Die Stadt nennt sich heute Mommsen-Stadt. Er studierte in Kiel und arbeitete während der schleswig-holsteinischen Erhebung als politischer Journalist. So war er Redakteur der "Schleswig-Holsteinischen Zeitung". Danach ging er als Akademiker nach Leipzig, Zürich, Breslau und Berlin. Später war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstags. Der Wissenschaftler war auch ein politischer Mensch, der sich kritisch mit Themen wie Imperialismus, Antisemitismus und Liberalismus auseinander setzte. Er scheute dabei nicht den öffentlichen Konflikt, wie zum Beispiel mit Bismarck. Mommsen gilt als Lichtgestalt auf dem Gebiet der Altertumswissenschaft und römischen Rechtsgeschichte. Für seine vierbändige "Römische Geschichte" erhielt er 1902 den Nobelpreis für Literatur. Theodor Mommsen ist neben Winston Churchill der einzige Historiker, dem jemals der Literaturnobelpreis verliehen wurde.

Otto Diels

(1876 - 1954), Chemiker, wechselte nach seinem Studium und 17-jähriger Lehrtätigkeit in Berlin nach Kiel. Dort war er von 1916 bis 1944 Professor und Direktor des Chemischen Instituts an der Christian-Albrechts-Universität. Auf Wunsch der Universität kehrte er 1946 noch einmal für zwei Jahre zurück, um nach dem Krieg das Chemische Institut wieder aufzubauen. 1950 erhielt er zusammen mit seinem Schüler und späteren Professorenkollegen Kurt Alder den Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung und Entwicklung der Dien-Synthese ("Diels-Alder-Synthese").

Max Planck

Max Planck im Porträt Max Planck (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Max Planck © Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

(1858 - 1947), Physiker, Begründer der Quantentheorie, studierte als gebürtiger Kieler in München und Berlin. Von 1885 bis 1889 lehrte er als Extraordinarius in seiner Heimatstadt, von 1889 bis 1926 in Berlin. Er wurde in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Seine Quantentheorie bedeutete eine grundlegende Umgestaltung der Physik. Dafür erhielt er 1918 den Nobelpreis für Physik. Planck übernahm 1930 die Leitung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die sich später als Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (MPG) zur bedeutendsten außeruniversitären Forschungseinrichtung Deutschlands entwickelte.