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Küstenschutz Fachpläne

© M. Staudt / grafikfoto.de

Fachpläne Küstenschutz - Glossar

Glossar Küstenschutz

BegriffErläuterung
Abbruchkante
Die Abbruchkante ist eine steile, durch einen Landabbruch entstandene, stufenartige Uferkante der Marschküste am Vorland von etwa 0,20 m bis 1,00 m Höhe infolge Wellenschlags und Gezeitenströmungen während der Tidehochwasser, sowie vereinzelt durch Eisschollen im Winter hervorgerufen. An der Geestküste (sandige Küste) entstehen infolge Sturmfluten bis zu etwa 20 m Höhe Abbruchkanten an den Randdünen, ebenso am Kliff.
Begrüppung, Begrüppelung, Schlötung
Herstellen eines Grabensystems in Lahnungsfeldern für das verlangsamte und verteilte Ein- und Ausfließen des Tidewassers zur Förderung der Aufschlickung und des Anwachses am Seedeichfuß. Auf hohen Grünlandflächen des Vorlandes wird mit kleineren Querschnittsabmessungen der Grüppen eine so genannte Bedarfsbegrüppung zur Entwässerung durchgeführt. Die Gräben (Grüppen) werden nach Aufschlickung etwa jährlich neu ausgehoben. Der Boden wird auf die dazwischenliegenden Beete geworfen, wodurch die Landbildung zusätzlich gefördert wird. In Ostfriesland wird das Herstellen dieser Gräben mit „schlöten”, in Schleswig-Holstein mit „begrüppen” oder „begrüppeln” bezeichnet.
Bemessungswasserstand
Die Sturmflutkatastrophe 1953 in den Niederlanden gab erstmalig Anlass zur Untersuchung des höchsten zu erwartenden Sturmtidewasserstandes. Dieser "maßgebende Sturmflutwasserstand", der später als "Bemessungswasserstand" bezeichnet worden ist, wurde empirisch festgelegt. In der weiteren Entwicklung entstand daraus ein Verfahren zur Bestimmung der Deichhöhen in Schleswig-Holstein, das von einem maßgebenden Sturmtidewasserstand ausgeht, der statistisch in 100 Jahren einmal erreicht oder überschritten wird.
Binnenentwässerung
Mit dem Bau der ersten Deiche mussten auch die ersten Siele angelegt werden, um das zur landwirtschaftlichen Nutzung eingedeichte Marschland entwässern zu können. So wurde die Deichlinie zur Grenze zwischem dem außendeichs liegenden Bereich, der dem Zugriff der See ausgesetzt blieb, und dem Binnenland, das bei anhaltenden Niederschlägen überschwemmt wurde.
In der Nordsee und den Tideströmen bestimmt der Rhythmus der Tiden die wasserstände mit ungefähr zweimaligem Tidehoch- und Tideniedrigwasser täglich. Diesem Wechsel muss sich die Entwässerung des Landes hinter den Deichen anpassen, dessen Höhenlage allgemein über Tideniedrigwasser liegt, in den Niederungen zwischen Marsch und Geest aber auch darunter. Der Abfluss aus dem Gewässernetz des Binnenlandes durch ein Siel ist nur um Tideniedrigwasser möglich.
Biotechnische Maßnahmen
Durch Windflug wird eine große Menge Sand transportiert. Durch biotechnische Maßnahmen wie Halmpflanzungen und den Bau von Sandfangzäunen können der Prozess der Dünenbildung gefördert, bestehende Dünen gesichert und durch Wind und Wasser entstehende Verluste ausgeglichen werden.
Durch die Anlage von Halmpflanzungen wird an exponierten Stellen die Entwicklung einer Vegetationsschicht eingeleitet oder eine bereits eingesetzte natürliche Entwicklung unterstützt. Die zur Aufsandung oder Festigung vorgesehenen Flächen werden nach einem bestimmten Muster mit Sandgras oder Strandhafer bepflanzt. Durch die Halme und Blätter der Pflanzen wird der Wind gebrochen und seine Transportkraft verringert. Dadurch wird weniger Sand weggeführt und bereits mitgeführte Sandkörner werden abgelagert.
Brandung
Das Überstürzen (Brechen, Branden) der auf das Festland zulaufenden Meereswellen in der Brandungszone, sobald sie im sanft ansteigenden Watt, Vorland oder Strand in den Bereich flachen Wassers gelangen. Durch Grundberührung (Reibung) und somit Störung (Bremsung) der Orbitalbahnen (Kreisbahnen) der Wasserteilchen in der Welle entsteht Brandung.
Brandungsfreies Watt
Relativ geschützt liegende Wattflächen mit einer Wassertiefe d <5m (bei MThw) werden als brandungsfreies Watt bezeichnet. Die Wellen können über die Wattströme oder das Randwatt in diese Bereiche vordringen. Brandung tritt auch bei starken Winden kaum auf.
BuhneSenkrecht zum Ufer in ein Gewässer vorgebautes Uferschutzwerk aus Busch, Holz, Stein, Stahlbeton oder Asphalt. Buhnen haben den Zweck, die Strömung des Wassers vom Ufer abzuweisen, auf die Wasserbewegung beruhigend zu wirken und das Absetzen der im Wasser befindlichen Feststoffe (Schlick, Sand) zu fördern. Das in das Ufer eingebundene landseitige Ende der Buhne heißt Buhnenwurzel, der wasserseitige vordere Teil Buhnenkopf. Zwischen zwei benachbarten Buhnen liegende Strand- oder Wattflächen werden Buhnenfelder genannt.
Buschlahnung
Mit Buschwerk (-faschinen) gefüllte Lahnung.
Deckwerk
Als Deckwerke werden im Wasserbau die äußeren Schutzschichten für Böschungen von Uferbauwerken verstanden. Ihre Aufgabe besteht darin, das Bauwerk wasserseitig gegen die Wirkungen von Wellen und Strömungen zu sichern.
Deich
Wallartige Erdaufschüttungen mit befestigten Böschungen (Grasnarbe, Stroh, Stein, Asphalt). Sie sichern die Niederungen entlang der Meeresküste und der Strom- und Flussmündungen vor Überflutung bei hohen Meeres- und Binnenwasserständen. Derartige Bauwerke werden im Küstengebiet der Nordsee Deiche genannt. Sie verlaufen in der Regel parallel zur Uferlinie des Gewässers, d.h. sie sind der Wasserströmung ungefähr gleichgerichtet. Am Meeresufer folgen sie fast immer dem Küstenverlauf.
Deichvorland

Das Deichvorland (früher oft als Maifeld bezeichnet) ist als natürliches Schutzwerk für den Hauptdeich bedeutungsvoll. Wenn es ausreichend breit ist (etwa 150 m bis 200 m), dämpft es merkbar den bei Sturmtiden am Deich auftretenden Wellenschlag und Wellenauflauf. Es verhindert, dass nach einem Deichbruch die täglichen Tiden durch die Bruchstelle in das Binnenland eindringen. Auch für die laufende Deichunterhaltung ist es von großem Nutzen, indem der für die ständig notwendigen Ausbesserungsarbeiten am Deich benötigte Kleiboden aus dem Vorland in unmittelbarer Deichnähe gewonnen werden kann. Eine landwirtschaftliche Nutzung des begrünten Deichvorlandes ist wegen seiner geringen Höhe über dem mittleren Tidehochwasser (MThw) nur begrenzt möglich. Es kann zwar im Sommer als Grünland (Wiese, Weide) genutzt werden, aber selbst in ruhigen Sommermonaten kommt es nicht selten vor, dass bei einer etwas erhöhten Tide, die das Vorland überflutet, das dort weidende Vieh gefährdet oder das gemähte Andelgras (Andel) fortgeschwemmt wird. Um sich gegen diese sog. Heufluten zu schützen, wird, wenn es die örtlichen Verhältnisse zulassen, das Vorland mit einem Sommerdeich umgeben. Die im Herbst und im Winter auftretenden Sturm- und Orkanfluten überfluten aber den Sommerdeich und setzen auch den sommerbedeichten Groden oder Polder (Sommergroden oder -polder) unter Wasser.

Um das Deichvorland in gutem Zustand zu erhalten, muss es ausreichend entwässert werden. Diesem Zweck dienen die zahlreichen, parallel zueinander verlaufenden Gräben (Grüppe). In ihnen strömt bei normalen Tiden das Seewasser ein und aus. Der sich in den Grüppen absetzende Schlick wird von Zeit zu Zeit ausgegraben und auf die Mitte der Beete geworfen. Auf diese Weise erhalten sie eine gewölbte Form und damit ein gutes Quergefälle nach den seitlichen Entwässerungsgräben (Entwässerung). Außerdem wird das Land durch den aufgeworfenen Schlickboden allmählich erhöht. Die Grüppen werden meist senkrecht zur Deichlinie angelegt.

Dünen
Eine Düne ist ein Sandhügel, der durch Windeinwirkung entsteht. Geringe Unebenheiten genügen bereits, um einen Teil des vom Wind transportierten Sandes dort zur Ablagerung zu bringen. Sie bewirken, dass der drumherum der Wind etwas abgebremst wird, so dass er die schweren Sandkörner nicht mehr halten kann und diese zu Boden fallen. Das ist der Beginn der Entstehung einer Düne. Dünen können beträchtliche Größen annehmen und - wenn sie nicht durch Vegetation ausreichend verankert werden -"wandern"  (Wanderdünen).
Düneninsel
Düneninseln bestehen aus Sedimenten, vor allem der Sandkorngröße. Sie sind durch Wind geschaffene Feinsedimentablagerungen. Der Begriff Düneninsel wird für Inseln mit Dünen, aber auch für Inseln, die durch Dünen entstanden sind, verwendet.
Ebbe
Das Fallen des Wasserspiegels im Gezeitenmeer (Nordsee) vom Tidehochwasserstand zum nachfolgenden Tideniegrigwasserstand (Tidefall).
Entwässerung
Im Landwirtschaftlichen Wasserbau: Ableitung von überschüssigem Bodenwasser und/oder oberirdischem Wasser mit Dränen und Vorflutern; analoge Übertragung ist auf den Küstenbereich möglich; hier ist eine Entwässerung im Sinne einer positiven Anlandung erforderlich (siehe Quergraben, Grüppe).
ErosionAlle Vorgänge, die auf der Erdoberfläche zu Massenverlagerungen von Böden, Lockergesteinen und Festgesteinen führen, durch in Bewegung befindliche Medien (Wasser, Eis, Schnee) oder Wind.
Faschine, Schine
Das 3,0 m bis 6,0 m Meter lange, 0,15 m bis 0,30 m dicke, mit Weidenruten oder Bindedraht gebundene Bündel aus Nadelholz- oder Laubholzreisig, das für den Bau von Lahnungen oder Windfangzäunen eingesetzt wird, wird als Faschine (ehemals Schine) bezeichnet; Faschinen von 0,10 m bis 0,15 m Durchmesser und mehreren Metern Länge als Faschinenwürste. Senkfaschinen sind bis zu 1,00 m stark und mit Steinen gefüllt. Faschinen werden zum Bau von Lahnungen verwendet sowie in 1,00 m bis 1,50 m Länge aufrecht nebeneinander in den Sand gesetzt, als Sandfangzäune, zudem werden sie zum Schutz unter Wasser liegender Bauwerksteile gegen Unterspülung eingesetzt.
Flut
Das Steigen des Wasserspiegels im Gezeitenmeer (Nordsee) vom Tideniedrigwasserstand zum nachfolgenden Tidehochwasserstand (Tidestieg). Geest
Höhergelegenes Gebiet eiszeitlicher Ablagerungen von Ton (Mergel), Sand, Kies. Die Geest rückt nur an wenigen Stellen der deutschen Nordseeküste bis zum Nordseeufer heran, nämlich bei Dangast am Jadebusen, bei Duhnen nahe Cuxhaven, mit einer Insel bei St. Peter-Ording, bei Schobüll nördlich Husum und auf den Inseln Sylt, Sylt und Föhr. Auf dem Festland in Schleswig-Holstein begrenzt sie zumeist hoch aufragend die Marschen und Moore des Tidebinnengebietes.
Gezeiten, Tiden

Gezeiten sind rhythmische Veränderungen des Wasserstandes um einen Mittelwert mit einer Periode von Stunden bis zu einem Tag und einer Amplitude von gegen Null bis zu vielen Metern (z.B. Fundy Bay, Kanada ca. 17 m). Die Gezeiten stehen im Zusammenhang mit den Mondphasen, insbesondere durch die Konstellation der Himmelskörper zueinander. Auf das frei bewegliche Wasser der Ozeane wirken drei Kräfte ein: Die Anziehungskraft der Erde, welche die Wassermassen auf der Eroberfläche festhält, die zweite ist die Fliehkraft, die durch die Rotation der Erde hervorgerufen wird. Die dritte ist die Anziehungskraft des Mondes.

Der gemeinsame Schwerpunkt, um den sich Erde und Mond drehen, liegt noch ein wenig innerhalb des Erdkörpers. So ist verständlich, daß in dem gesamten rotierenden System die Fliehkraft auf der mondabgewandten und die Anziehungskraft auf der mondzugewandten Seite der Erde überwiegen. Beides führt zu „Flutbergen” (Flut), während dazwischen „Ebbetäler” (Ebbe) der Wasseroberfläche vorliegen; Wenn Mond, Erde und Sonne auf einer gleichen Achse (Vollmond und Neumond) stehen, summieren sich die Anziehungskräfte bzw. Fliehkräfte von Mond und Sonne, und es kommt zu einer besonders hohen Springflut. Stehen Sonne, Mond und Erde im rechten Winkel zueinander, heben sich die beteiligten Kräfte teilweise auf, und es kommt zu einer sog. Nippflut. Da ein voller Mondumlauf 24 Stunden und 50 min. beträgt, verschiebt sich der Eintritt von Ebbe und Flut allmählich.

Grüppe, Beetgraben, Medjeschlot, WattgrüpAls Grüppen werden die flachen Gräben im Lahnungsfeld, Vorland oder bedeichten Marschgebiet (Marsch) bezeichnet. In der Anwachszone (Anwachs) der Lahnungsfelder und im Vorland sorgen sie als Teil eines Grabensystems (Grüppenfeld) für eine Beruhigung der Tideströmungen und Förderung der Anlandung, während sie im eingedeichten Marschgebiet nur für die Entwässerung benötigt werden. In der Regel verlaufen die Grüppen senkrecht zur Küste (Deichlinie), sind 2,00 m breit, nur 0,20 m tief und teilen das Lahnungsfeld in etwa 10 m breite Beete ein.
Kalibrierung
Anpassung eines Modells an die Gegebenheiten des betrachteten Systems (z.B. Messwerte) für bestimmte Zeitspannen oder einen bestimmten Zeitpunkt (DIN 4049-Teil 1).
Küstenlinie
In der Topographie z.B. durch außenseitigen Deich-, Dünen- oder Kliffuß oder durch Küstenschutzbauwerke kenntliche Linie oberhalb der Uferlinie an der Küste des Festlandes, der Inseln im Meer sowie in den Mündungsstrecke der ins Meer mündenden Flüsse, die in der Regel nur bei Wasserständen über mehrjährigem MHW oder MHThw überflutet wird.
Küstenschutz

Nach DIN 4047-2 wird Küstenschutz als die Maßnahmen zur Sicherung der Küsten des Festlandes und der Inseln gegen die zerstörerischen Einwirkungen des Meeres definiert. 

  • Aktiver Küstenschutz: Im Mittelpunkt des aktiven Küstenschutzes steht die Vorlandbildung. Sie bewirkt durch Bauanlagen eine seewärtige Verlagerung angreifender Kräfte (Brandung, Strömung) an gefährdeten Küstenstrecken.
  • Passiver Küstenschutz: Im Mittelpunkt des passiven Küstenschutzes steht die Vorlanderhaltung. Sie beinhaltet die Sicherung von im Abbruch liegenden Küstenstrecken mit Hilfe von Schutzwerken, deren Aufgabe darin besteht, die unmittelbar an Schadensstellen auftretenden Angriffskräfte des Wassers (Brandung, Strömung, Eis) aufzufangen und unschädlich zu machen, wie z.B. bei der Sicherung des Deichfußes durch ein massives Deckwerk. Hierbei bleiben im Gegensatz zum aktiven Küstenschutz die Angriffskräfte unverändert und werden nicht von den Schadensstellen abgewiesen.
Lahnung
Vergleichbar einem buhnenartigen (Buhne) Damm vor Seedeichen; in der Regel aus zwei Pfahlreihen bestehend, zwischen denen Reisigbündel (Faschinen) fest eingepackt und verschnürt sind; regional sind auch andere, massivere Konstruktionen zu finden. Sie beruhigen die Meereswasserströmung und fördern die Schlickablagerung (Schlick) an der Küste.
Landgewinngung

Der Begriff Landgewinnung bezeichnet die Förderung der Entstehung von neuem Deichvorland mit Hilfe von Landgewinnungswerken in Verbindung mit Begrüppungen und früher auch biologischen Arbeiten (Quelleransaat, Anpflanzung von Andel oder Schlickgras) als Maßnahme im Rahmen des aktiven Küstenschutzes. „Nach dem Zweck unterscheidet man Vorlandgewinnung und Neulandgewinnung. Die Vorlandgewinnung dient dem aktiven Küstenschutz. Sie bezweckt die Schaffung oder Sicherung eines für den Deichschutz ausreichend breiten (d.h. 150 m bis 200 m) Aussengrodens (Hellers) vor dem Hauptdeich. Ein solches Vorland ist nicht nur der beste und sicherste Deichschutz, es ist auch bedeutungsvoll bei der Grassoden-Gewinnung und für die Kleiboden-Entnahme für Deicharbeiten oder für eine landwirtschaftliche Nutzung.

Das im Rahmen des aktiven Küstenschutzes gewonnene Vorland wird nur in Ausnahmefällen bedeicht. Bei der Neulandgewinnung wird ein möglichst breiter Aussengroden (500 m und mehr) erstrebt mit dem Ziel, später dieses neue Land zu bedeichen, zu besiedeln und landwirtschaftlich zu nutzen”. Heute wird anstelle von Landgewinnung in der Regel von Vorlandbildung gesprochen.

Marsch
Als Marsch wird ein alluvialer Schwemmlandboden bezeichnet, der aus Ablagerungen des Meeres oder der Tideflüsse (Brackmarsch) entstanden ist und eine Pflanzendecke trägt.
Morphodynamik
Zeitliche und räumliche Prozesse, die zur Veränderung der Oberfläche der Erde führen; Adjektiv: morphodynamisch.
Morphologie
Die Geomorphologie (Morphologie) ist ein Teilgebiet der Physischen Geographie. Dabei beschreibt die Geomorphologie (griechisch: ge=Erde, morphé=Gestalt, Form, lógos=Wort, Lehre, Vernunft) die Formenkunde und damit die formbildenden Prozesse an der Oberfläche aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Abtragungsvorgängen und den angreifenden Kräften (Geomorphodynamik).
Neulandgewinnung
Ursprünglich Gewinnung möglichst breiter Vorländer (500 m) mit dem Ziel, dieses Land zu bedeichen, zu besiedeln und landwirtschaftlich zu nutzen.
Normal-Null (NN)
Amtlich im Jahr 1879 festgelegte Bezugsebene für alle Höhenmessungen in Deutschland. Sie entspricht dem damaligen Meeres-Mittelwasserspiegel am Amsterdamer Pegel.
Pegel-Null (PN)
Einheitlicher, 1935 an der deutschen Nordseeküste eingeführter Nullpunkt der Messskala aller Pegel. Er liegt auf NN -5,0 m. Grund: Sämtliche Wasserstände sollen positive Werte haben. Beispiel: Der niedrigste bisher gemessene Tidewasserstand (NNTnw) lag in Büsum bei einem Oststurm auf NN -4,3 m, das ist PN +0,7 m.
Priel, Au, Piep, Ritt, Seeg
Als Priele werden Wasserrinnen im Watt, die auch zur Tideniedrigwasserzeit noch mit natürlichem Gefälle Wasser führen, bezeichnet. Priele werden durch das bei Ebbe aus ihren Watteinzugsgebieten ablaufende Wasser gestaltet; sie münden in Baljen oder Wattströme. Das bei Flut von See kommende Wasser benutzt bei seinem Vordringen in das Wattgebiet zunächst die Prielbetten. Im weiteren Verlauf der Flut ufert es aus und überströmt dann die Wattflächen. Die der Wattschifffahrt dienenden Priele sind in der Überflutungszeit nur noch an den an ihren Rändern aufgestellten Pricken zu erkennen. Diese müssen jedes Jahr neu gesetzt werden, weil sich die Lage der Prielbetten ständig verändert.
Primärdüne
Anfansgstadium natürlicher oder durch Setzen von Sandfangzäunen auch künstlicher Dünenbildung oberhalb des mittleren Tidehochwasserspiegels. An diesem noch stark salzbeeinflussten Standort siedelt sich der Strandweizen an. Als ausdauerndes Strandgras hält er mit seinen Wurzeln und langen Ausläufern den aufgewehten, lockeren Sand fest und fördert die Sandablagerung zusätzlich. Primärdünen oder Vordünen erreichen Höhen von einigen Dezimetern bis hin zu einem Meter und können eine gelegentliche Flut überstehen. Viele von ihnen werden aber von den Sturmfluten des Winterhalbjahres wieder zerstört.
Randdüne
Hohe, natürliche Sandaufschüttung, Düne, unmittelbar an der Küstenlinie, mit dem Fuß den trockenen Strand nach oben begrenzend.
Säkularer Meeresspiegelanstieg
Allmähliches Anheben des Meeresspiegels gegenüber dem Festlandsniveau, gemessen in cm in hundert Jahren. Der mittlere Meeresspiegel entspricht einer waagerechten Schwere-Ebene aus den Tidemittelwasserständen, die aus MThw und MTnw errechnet werden.
Salzwiese
Salzwiesen sind die über der Hochwasserlinie gelegenen Flächen, die nur noch selten, insbesondere im Winterhalbjahr bei Wind- und Sturmfluten, von Salzwasser bedeckt werden. Die Salzwiesen bilden die Zone, in der Meeres- und Landfauna aufeinander treffen und sich vermischen. Im Gegensatz zum Wattenmeer befindet sich hier eine geschlossene Pflanzendecke, die zumeist aus Salzpflanzen besteht, z.B. Andelgras (Andel), Rotschwingel und Strandflieder und gegenüber den Salzweiden eine artenreichere Pflanzengesellschaft aufweist, weil die Salzwiesen nicht oder nicht regelmäßig beweidet werden. Die Benennung dieses Lebensraumes ist regional unterschiedlich, in Schleswig-Holstein wird er als Vorland bezeichnet.
Schlick
Schlick ist das aus schluffig-tonigen, kalkhaltigen oder kalkfreien, organische Stoffe enthaltenden, breiignassen Ablagerungen im Salz- und Brackwasserbereich bestehende Sediment. Charakteristische Korngrößenzusammensetzungen bestehen zu über 50% aus Schluff und Ton (unter 0,063 mm), unter 50% sehr feinem Sand (0,063 mm bis 0,125 mm), und sehr wenig Sand über 0,125 mm. Aus dem Schlick ist der fruchtbare Kleiboden der Marschen entstanden. Frisch sedimentierter Schlick hat meist eine schwarze Farbe, die von seinem hohen Gehalt an Schwefeleisen herrührt. An der Luft nimmt die Oberfläche des Wattenschlicks durch Reaktion des FeS zu Fe2O3 eine graubraune Färbung an.
Sedimentation
Ablagerung von Wasserinhaltsstoffen; Anlandung, Verlandung und Akkumulation sind als Synonyme gebräuchlich.
Seegang
Wellenbewegung der Meeresoberfläche im Zusammenwirken von Windsee und Dünung, deren Größe von der Stärke des Windes, seiner Wirkdauer und Streichlänge (Wirkweg) bestimmt wird. Mit Windsee wird die durch Windeinfluss und sofort einsetzende Bewegung der Wasseroberfläche bezeichnet (vornehmlich erzwungene Schwingungen). Dünung ist die durch langanhaltenden Windeinfluss auf große Seeräume entstehende Bewegung der Wasseroberfläche (vornehmlich freie Schwingungen). Die Zusammensetzung der beiden Bewegungen Windsee und Dünung wird als Seegang bezeichnet.
Seekarten-Null (SKN)
Entspricht dem örtlichen, mittleren Springtideniedrigwasser, also dem niedrigsten astronomischen Tideniedrigwasserstand. Bezugsebene für Seekarten.
Sekundärdüne (Weißdüne)
Hauptstadium der Dünenbildung. Mit dem Aufwachsen der Düne ändern sich die Standortbedingungen: Der Salzeinfluss des Meeres ist nur noch gering, Niederschläge waschen die Salze im Sand aus, feuchte und trockene Phasen wechseln rasch. An Stelle des Strandweizens bildet sich Strandhafer (auch Strandgerste genannt) aus. Er wächst im überflutungsfreien Bereich schnell und festigt den Sand.
SielDurchlassbauwerk im Seedeich für ein Gewässer mit meistens durch den Wasserdruck sich schließenden (Flut) oder zum Meer hin öffnenden (Ebbe) Toren, die das Abfließen des Binnenwassers zum Meer ermöglichen und das Einströmen von Meerwasser in das Binnenland verhindern.
Sturmflut

Vorwiegend durch Windeinfluss erzeugte hohe Wasserstände (Windstau) an der Küste und in den Flussmündungen, deren Höchstwerte einen bestimmten Wasserstand überschreiten. Sturmflutklassifizierung:
An Tidewasserständen orientiert       

  • 1,5 m bis 2,5 m über lokalem mittleren Tidehochwasserstand = Sturmflut
  • 2,5 m bis 3,5 m über lokalem mittleren Tidehochwasserstand = schwere Sturmflut 
  • ab 3,5 m über lokalem mittleren Tidehochwasserstand = sehr schwere Sturmflut
Stöpe
Eine Stöpe ist ein verschließbarer Durchlass für einen Verkehrsweg in einem Deich. Kleine Stöpen können bei drohender Sturmflut mittels Holzbalken und Sandsäcken verschlossen werden; größere sind mit stählernen Flügeltoren ausgestattet. Häufig findet man Stöpen in Schlafdeichen, aber auch im Hafenbereich in Seedeichen.
In Schleswig-Holstein wird als Stöpe die Lahnungsöffnung für den Hauptentwässerungsgraben in der deichparallelen Lahnung bezeichnet.
Strand

Flacher Küstenstreifen aus Sand, Kies oder Geröll, der im Wirkungsbereich der Gezeiten und Wellen liegt. Man unterscheidet dabei: 

  • Trockener Strand: Hochwasserfreier Teil des Strandes zwischen Küstenlinie bzw. dem Rand bewachsenen Festlandes, dem Fuß eines Kliffs oder einer Randdüne, und auf der Seeseite der mittleren Tidehochwasserlinie. 
  • Nasser Strand: Wasserbedeckter Teil des Strandes zwischen der mittleren Tidehochwasserlinie und Tideniedrigwasserlinie (Wasserwechselzone der Tide).
Tertiärdüne (Graudüne)
Endstadium der Dünenbildung. Die Düne hat eine große Höhe erreicht, liegt weiter landwärts, ist von der Sandzufuhr fast ausgeschlossen und wächst kaum noch höher. Sie wird stabil, kleine Humusteilchen sammeln sich an. Auf diesem veränderten Standort wird die Vegetation artenreicher, der zuvor weiß durchscheinende Sand (Weißdüne) wird vollends bedeckt, das Gesamtbild grau.
Tide
siehe Gezeiten.
Treibsel, Teek
Als Treibsel wird das auf der Meeresoberfläche schwimmende Treibzeug (z.B. Holz, Busch, Gras, Schilf, Tang, Stroh, Abfälle) bezeichnet. Es wird durch Wellen und auflandigen Wind an die Insel- und Festlandsküsten getrieben und dort als Auswurf des Meeres mitunter in großen Mengen am Fuß der Stranddünen und an den Deichen abgesetzt. An der Marschenküste angeschwemmtes Treibsel ist für die Grasnarbe des Deiches sehr nachteilig, weil diese unter der Treibseldecke erstickt und dann durch Unkräuter ersetzt wird. Außerdem können tierische Schädlinge, vor allem Mäuse, dort Unterschlupf finden. Daher muß das Treibsel unverzüglich beseitigt werden (Kompostierung, Deponierung oder Verbrennung). Treibselwirksame erhöhte Tiden treten ab einem Wasserstand von rd. 0,50 m über MThw auf.
Ungleicheit
Die Gezeiten weisen sogenannte Ungleichheiten auf. Diese entstehen aufgrund der unterschiedlichen Stellung der Sonne, des Mondes und der Planeten zur Erdachse.
Validierung
Überprüfung der Naturähnlichkeit von Modellergebnissen durch einen Vergleich der Modellergebnisse mit Naturmessdaten, die bei der Kalibrierung nicht verwendet wurden.
Verlandung
Das Absetzen von Sinkstoffen eines fließenden Gewässers an stromschwachen und vor Wellenbewegung geschützten Stellen, z.B. in Altarmen eines Flusses, in Buhnen und Landgewinnungsanlagen, wird als Verlandung bezeichnet.
Vordüne
siehe Primardüne.
Vorland, Heller, Groden, Aussengroden, Außendeichsland
Die auf natürliche Weise oder durch technische Maßnahmen unterstützt entstandene Grünlandfläche zwischen Küsten, (Seedeichfuß) und Uferlinie (MThw-Linie), mit einer über MThw gelegenen Oberfläche; Vorland ist als Weideland geeignet.
Vorlandgewinnung
Planmäßige Schaffung neuen Vorlandes als schützende Zone vor Hauptdeichen, die schar liegen oder deren Vorland im Abbruch liegt. Das neue Vorland sollte nach empirischen Erkenntnissen zum Zweck des Deichschutzes 150 m bis 200 m breit sein.
Watt, Wattenmeer
Das Watt ist ein ausgedehntes, flaches, von Rinnen und Prielen durchzogenes, mit Sand oder Schlick bedecktes Übergangsgebiet zwischen Festland und Meer an einer Gezeitenküste, das im Wechsel der Gezeiten von Wasser bedeckt wird und wieder trockenfällt, von Prielen durchzogen und auf ihren Rücken vereinzelt Inseln und Außensände tragend. Bei Niedrigwasser ähnelt es einem Flusssystem auf dem Festland. Das Bodenmaterial ist tonig-feinsandig und fest bis schlickig und weich. Das Watt wird durch den Wasserstand bei MThw und MTnw begrenzt.
WindrissAn windexponierten Stellen der Dünenrücken und -kämme kann es zur Bildung von Windrissen kommen, in denen bisweilen Luftströmungen mit recht hohen Geschwindigkeiten auftreten (Windkanal-Effekt). Die vom Wind mitgeführten Sandteilchen wirken wie bei einem Sandstrahlgebläse und weiten den Riss in die Breite und in die Tiefe. Das Gefüge der Düne kann dabei zerstört oder erheblich gefährdet werden. Ausgangspunkt für Windrisse sind oftmals Trampelpfade von Tieren oder von Menschen. Entstehen die Ausblasungen an Randdünen, kann das Wasser bei Sturmfluten in die Dünentäler vordringen. Durch das Setzen von Sandfangzäunen oder Halmpflanzungen (biotechnische Maßnahmen) können diese Risse verhindert oder geschlossen werden.