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Reaktorerkunder

Staatskanzlei

Reaktorerkunder

Im Jahr 2010 wurde mit der Beschaffung der dritten Fahrzeuggeneration die Reihe fortgesetzt. Bei der Finanzierung der bis zu 39 zu beschaffenden Reaktorerkunder beteiligen sich neben den unteren Katastrophenschutzbehörden, dem Land Schleswig-Holstein auch die Betreiber kerntechnischer Anlagen.

Unsichtbar, geschmacklos aber gefährlich!

Wenn radioaktive Stoffe frei werden, nimmt der Mensch zunächst keine Notiz davon. Wir verfügen über viele Sinne, doch Radioaktivität können wir nicht wahrnehmen. Dennoch stellt jede Aufnahme einer Dosis eine gesundheitliche Gefahr dar.

Nur wenn geeignete Messtechnik jederzeit schnell zur Verfügung steht, kann die Abwesenheit der Gefahr festgestellt oder das Ausmaß einer Bedrohung beschrieben werden. Die kerntechnischen Anlagen in Schleswig-Holstein stehen dabei gar nicht im Mittelpunkt der Risikobewertung, auch wenn ein Unglück dort wahrscheinlich schlimme Folgen hätte. In diesen Anlagen sorgen ausgefeilte Sicherheitssysteme und die Überwachung der Behörden dafür, dass nichts unbemerkt bleibt. Als Quelle für radioaktive Substanzen in unserer Umwelt muss, neben der gezielten Freisetzung durch Straftäter, der Transport von Strahlenquellen in Betracht gezogen werden. Unter den Millionen Tonnen Fracht, die jedes Jahr Schleswig-Holstein passieren, befinden sich sowohl schwach radioaktives Material (zum Beispiel Prüfstrahler) als auch aktivere Strahler in sehr geringen Mengen (zum Beispiel Materialprüfstrahler in der Industrie).

Ein Land mit Atomanlagen und hohem Frachtaufkommen im Transit tut daher gut daran, eine ganze Flotte von speziell ausgestatteten Einsatzfahrzeugen im ganzen Land verteilt zu stationieren. Nur so kann die zwingend erforderliche Messtechnik jederzeit schnell vor Ort sein. Die Mitte der 70er Jahre begonnene Einführung dieser Fahrzeuge wurde in den 80er Jahren fortgeführt und durch modernere Fahrzeuge ersetzt.

Im Jahr 2010 wurde mit der Beschaffung der dritten Fahrzeuggeneration die Reihe fortgesetzt. Bei der Finanzierung der bis zu 39 zu beschaffenden Reaktorerkunder beteiligen sich neben den unteren Katastrophenschutzbehörden, dem Land Schleswig-Holstein auch die Betreiber kerntechnischer Anlagen.

Entwicklung & Beschaffung

Teamwork für die beste Lösung

Im Rahmen der Optimierung des Katastrophenschutzes in der Umgebung kerntechnischer Anlagen bildete das Amt für Katastrophenschutz unter Beteiligung der mit Messaufgaben beauftragten Hilfeleistungsorganisationen und den unteren Katastrophenschutzbehörden eine Arbeitsgruppe für die Konzeption eines Nachfolgefahrzeugs des Reaktorerkundungstruppkraftwagens.

Vornehmliches Ziel dieser Arbeitsgruppe war es, neben der Anpassung des Fahrgestells sowohl die Messtechnik des Fahrzeugs an die im Laufe der Zeit geänderten Konzeptionen des Katastrophenschutzes als auch die so genannten asymmetrischen Gefahrenlagen zu berücksichtigen. Des Weiteren findet durch die Neukonzeption dieses Fahrzeugs inklusive seiner Messtechnik, nach einer Laufzeit von nunmehr fast 20 Jahren, eine weitere Anpassung an den Stand von Wissenschaft und Technik statt. Die Grundkonzeption dieses Fahrzeugs wurde durch die Betreiber kerntechnischer Anlagen in Schleswig-Holstein vor dem Bau des so genannten Nullserienfahrzeugs ebenfalls anerkannt.

Besondere Ausstattung des Fahrzeugs:
Ortsdosisleistungsmessgerät FH 40 G-10
NBR-Sonde FHZ 672-2 (2 l Szintillationsdetektor)
Messsystem MDS 1376 zur Ausgabe der Messwerte mit GPS-Koordinaten und Kartenausgabe

Ausbildungsplanung

Doch die Fahrzeuge allein lösen die Aufgabe nicht. Nun müssen die Besatzungen aus Mitgliedern Freiwilliger Feuerwehren aus Schleswig-Holstein ausgebildet werden, damit aus Technik Hilfe wird!

Der Schwerpunkt der nun erforderlichen Ausbildung liegt bei der Handhabung der auf den neuesten Stand der Technik gebrachten Mess-, Dokumentations- und Kommunikationsausstattung. War es in der letzten Fahrzeuggeneration noch selbstverständlich, die Messwerte mit manuell ausgelesenen Koordinaten zu ergänzen und per Meldezettel zu transportieren, so übernehmen heute GPS und Datenfunk die Anbindung der Fahrzeuge an die Einsatzleitung. Kenntnisse zum Kontaminationsschutz müssen ebenso vermittelt werden, wie die Anwendung der Mess- und Probenahme-Anweisung. Die Gewinnung dieser objektiv vergleichbaren Proben und die Bedienung der Probenahmegeräte und den computergestützten Systemen an Bord müssen vermittelt werden.

Einheitliches Taktisches Vorgehen

Vor dem Hintergrund der kreisübergreifenden Maßnahmendurchführung im Bedarfsfall ist die landesweit einheitliche Ausbildung und der Betrieb der Messtechnik zwingend erforderlich.

Bei der Planung der Ausbildung wurde auch die Umsetzung aktueller Empfehlungen zur Einsatztaktik berücksichtigt.

Diese umfassen:

  • Anpassungen beim Vorgehen in der Umgebung kerntechnischer Anlagen,
  • die Transport- und Lagerunfallsituation,
  • Einsätze nach Feuer in einer Industrieanlage,
  • abgestimmte Vorgehensweisen nach terroristischen Anschlägen mit „schmutzigen Bomben“ mit radioaktiver Beiladung.

Die Messwerte werden vom Erkunder über die lokalen Messzentralen der Reaktorkreise an die gemeinsame Messzentrale der Landesregierung, mit Hilfe des dafür entwickelten Katastrophenschutz-Datenmanagement-Informationssystems (KADAMIS) weitergeleitet. Diese Daten werden im weiteren Verlauf durch die atomrechtliche Aufsichtbehörde zur Erarbeitung des radiologischen Lagebildes verwendet. Dieses wird an die unteren Katastrophenschutzbehörden mittels der elektronischen Lagedarstellung und der Lageberichte des Führungsstabes Katastrophenschutz des Ministeriums für Inneres und Bundesangelegenheiten mit Empfehlungen zur operativen Maßnahmenumsetzung weitergeleitet. Diese Lageinformationen werden ebenfalls unseren Nachbarländern, wie auch Bundesbehörden übermittelt.

Ablauf der Fortbildungen

Die Grundeinweisung in die Technik des Fahrzeugs und die Mess- und Probenahme findet als Multiplikatorschulung zentral an der Landesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein statt. Damit wird das Ziel verfolgt, die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung auf Standortebene zu ermöglichen.