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Psychische Störungen

Staatskanzlei

Psychische Störungen

Ob Vincent van Gogh, Ernest Hemingway oder aktuell Sebastian Deisler: Es gibt eine Reihe von prominenten Beispielen, die zeitlebens an psychischen Störungen erkrankten. Oft bleibt die Krankheit jedoch unerkannt oder wird als kurzzeitige Verstimmungen wahrgenommen. Und der gesellschaftliche Druck „zu funktionieren“ erhöht den Leidensdruck auf die Betroffenen. Bis zu einer richtigen Diagnose kann der Betroffene schon einen langen Leidensweg hinter sich haben. Doch ist die Diagnose gestellt, gibt es viele Angebote zur Behandlung.

Die Techniker Krankenkasse (TK) veröffentlichte ihren Gesundheitsreport 2008 zum Schwerpunktthema „psychische Störungen“. So wurde bei rund 22 Prozent der über zwei Millionen bei der Techniker Krankenkasse Versicherten schon einmal eine entsprechende Diagnose gestellt. Der Gesundheitsreport von 2009 zeigt, dass die Störungen von 2000 um fast 20 Prozent bis zum Jahr 2008 anstiegen; in Schleswig-Holstein sogar um 30 Prozent.

Der Leidensweg der Betroffenen ist bis zu einer endgültigen Diagnose aber immer noch oftmals lang. Die Betroffenen suchen bei einer psychischen Störung den Fehler häufig bei sich selber. Auch das Umfeld hat Schwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten wahr zu nehmen oder gar als Krankheit zu definieren.

Von psychischen Störungen überdurchschnittlich am stärksten betroffen sind Arbeitslosengeld II Empfänger und Angehörige sozialer Berufe. Personen mit der Diagnose einer psychischen Störung weisen dreimal so hohe Fehlzeiten im Vergleich zu den Erwerbstätigen, bei denen keine psychische Störung vorliegt, auf. Sie sind für andere Krankheiten anfälliger und fallen auch unter anderen Diagnosen als psychischen Störungen öfter arbeitstechnisch aus.

Nicht nur die Auswirkungen für die Betroffenen sind enorm, sondern auch die volkswirtschaftlichen Folgen: Verursacht durch Depressionen entsteht ein Schaden von rund 17 Milliarden Euro. In Schleswig-Holstein liegt die Arbeitsunfähigkeitsrate auf Grund psychischer Störungen 13,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 3,05 Prozent.
[Nachtrag Juni 2014: Laut des aktuellen Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse ist die Zahl psychisch bedingter Krankschreibungen 2013 erstmals in der Geschichte der TK-Gesundheitsberichterstattung nicht gestiegen]

Die drei am häufigsten diagnostizierten psychischen Störungen sind somatoforme Störungen, Reaktionen auf schwere Belastungen und Depressionen.

Zu dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse

Somatoforme Störungen

Bei somatoformen Störungen leidet der Betroffene über einen längeren Zeitraum an heftigen körperlichen Beschwerden, die jedoch auch nach wiederholter und gründlicher Untersuchung durch den Arzt keine physischen Ursachen zur Grundlage haben. Fast jeder dritte Hausarztpatient war schon einmal kurzzeitig von somatoformen Störungen betroffen. Sie führen jedoch nur bei weniger als einem halben Prozent der Erwerbstätigen zur Arbeitsunfähigkeit.

Reaktionen auf schwere Belastungen

In Schleswig-Holstein leiden rund vier Prozent an Reaktionen auf schwere Belastungen. Dabei handelt es sich um Reaktionen auf ein seelisch oder körperlich traumatisches Erlebnis. Dazu gehört auch posttraumatischer Stress, welcher zum Beispiel bei Soldaten nach Einsatz in Kriegsgebieten auftreten kann.

Depressionen

Laut TK-Gesundheitsreport von 2008 sind rund 7 Prozent der erwerbstätigen Versicherten in Schleswig-Holstein von Depressionen betroffen. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass bundesweit sogar rund vier Millionen Menschen an Depressionen erkrankt sind. Depressionen werden weitaus häufiger bei Frauen diagnostiziert, und es gibt eine ganz klare Altersabhängigkeit der Diagnoserate: Im Alter von 15 bis 20 Jahren werden lediglich bei 4,3 Prozent der Frauen Depressionen diagnostiziert, bei den 55 bis 60 Jährigen liegt der Höchstwert von 18,4 Prozent der weiblichen Erwerbstätigen. Somit rangieren Depressionen unter den psychischen Störungen auf dem ersten Platz.

Symptome und Ursachen für Depressionen

Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig, doch haben sie ihren Ursprung meist schon in frühen Lebensabschnitten, und werden über weitere Lebensphasen verschleppt. Die Auslöser sind vielseitig: Ob es sich um Stress im Beruf, Arbeitslosigkeit, Wechsel in unbekannte Situationen oder Partnerschaftsprobleme handelt, viele Faktoren können zu Depressionen führen.

Anzeichen für eine Depression sind vielseitig, doch es gibt eine Reihe typischer Symptomatiken:

  • Erhöhte Ermüdbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit an normalen Aktivitäten und Vergnügungen
  • Schlechtere Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit
  • Schuldgefühle
  • Verringertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Unentschlossenheit, auch bei einfachen Entscheidungen
  • Negative Zukunftsgedanken
  • Suizidgedanken
  • Innere Unruhe

Therapiemöglichkeiten

Es gibt vielfältige Hilfsangebote für Depressionserkrankte. Das rechtzeitige Gespräch mit einem Spezialisten kann bei einer leichten psychischen Störung Wunder wirken. Doch bei fortgeschrittenen Stadien psychischer Erkrankungen, wie mittleren bis schweren oder gar chronischen Depressionen helfen mitunter nur Psychotherapien oder stationäre Aufenthalte in Verbindung mit der Zugabe von Antidepressiva aus der Krankheit heraus. Die Heilungschancen für Depressionserkrankte sind sehr gut, nur bei 15 Prozent der Erkrankten verläuft die Krankheit chronisch.

In Schleswig-Holstein gibt es vielfältige Möglichkeiten, Unterstützung bei einer psychischen Störung zu bekommen.

Zur Auswahl

Filmreihe

In der Filmreihe "Irre Gute Filme" werden Filme zum Thema seelische Erkrankungen im Kommunalen Kino (KoKi) in der Pumpe in Kiel gezeigt. Mehr lesen