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Der Darm

Staatskanzlei

Der Darm

Das Kellerkind der inneren Organe

Über Darmkrankheiten spricht man nicht. Alles, was mit dem Darm zu tun hat, könnte eklig sein. Und dabei ist dieses Organ so wichtig für uns.

Gläserner Mensch. Die Organe sind zu erkennen. Der Darm ist rot eingefärbt. Der Darm liegt im "Kellergeschoss" des Torso. © ag visuell / Fotolia.com

Obwohl der Darm das flächenmäßig größte innere Organ des Menschen ist, spricht man im Allgemeinen nicht über ihn. Darmerkrankungen sind kein gesellschaftsfähiges Thema. Daran konnte auch die „Charme-Offensive“ des jüngsten Sachbucherfolges nichts ändern. Dabei ist der Darm, allein schon durch seine statistischen Werte, äußerst faszinierend und wäre in einem Kartenspiel garantiert der Supertrumpf. Länge: 8 Meter, Oberfläche: 400 bis 500 Quadratmeter, Leistung: 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter verarbeitete Flüssigkeit innerhalb eines Menschenlebens. Besondere Fähigkeiten: Nahrungsverarbeitung, Nährstofffilterung sowie Immunabwehr. Das macht Eindruck. Allerdings ist der „Supertrumpf“ auch anfällig für Krankheiten.

Die häufigsten Darmerkrankungen im Überblick:

„Magen-Darm“

„Magen-Darm“ – Zwei Worte, die meistens schon reichen, um die Frage nach dem Krankheitsgrund ausreichend zu beantworten. Magen-Darm-Infektionen sind die mit Abstand am häufigsten auftretenden Infektionskrankheiten. „Brechdurchfall“ macht fast jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben durch. Nach Schätzung des Robert Koch Institutes erleiden ungefähr 65 Millionen Menschen in Deutschland pro Jahr eine Magen-Darm-Erkrankung. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind typische Symptome. Ausgelöst wird die Infektion durch Viren und Bakterien. In seltenen Fällen können auch Parasiten der Auslöser sein. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen über verunreinigte Nahrung oder Getränke. Ferner über Gegenstände, von Mensch zu Mensch oder durch Kontakt mit Tieren.

Weitere ausführliche Informationen und Schutzmaßnahmen zum Thema „Magen-Darm“ gibt es auf der Infektionsschutzseite

Dr. Lutz Lerche
© Privat

Interview

Der Darm ist das Kellerkind der Organe - zu Unrecht!" - Lesen Sie das ganze Experteninterview mit Dr. Lutz Lerche, Vorstand der Gastroenterologen Schleswig-Holstein.

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Reizdarmsyndrom

Derzeit sind 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung in westlichen Ländern vom Reizdarmsyndrom betroffen. Die große Mehrheit der Betroffenen sind Frauen. Auch wenn Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall äußerst unangenehm sind, ist die Krankheit nicht gefährlich. Als Ursache des Syndroms werden u.a. Immunfunktions- oder Bewegungsstörungen des Magen-Darm-Traktes vermutet. Auch Glutenunverträglichkeit, psychische Faktoren oder bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Traktes können dabei eine Rolle spielen.

Einen Ratgeber mit detaillierten Informationen zum Reizdarmsyndrom findet man auf der Seite der Gastro-Liga e.V.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Anatomiezeichnungen von zwei erkrankten Därmen. Darmkrankheiten (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Infografik chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. © bildzwerg / Fotolia.com

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die zwei bekanntesten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine chronische Entzündung des Magen-Darm-Traktes, bei der alle Schichten der Darmwand betroffen sind. Bei Colitis ulcerosa hingegen ist ausschließlich die Dickdarmschleimhaut entzündet. Die Symptome beider Krankheiten treten meist in Schüben auf und reichen von Schwäche, Unwohlsein und starken Bauchschmerzen über blutige Durchfälle. Verabreicht werden Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente. Ursächlich ist vermutlich das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Man vermutet, dass eine genetisch-bedingt gesteigerte Immunreaktion, die sich gegen die Darmflora richtet, Ernährung oder die Psyche einer CED begünstigen.

Die Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. bietet Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Ein sehr ausführlicher Informationsbereich steht auf der Internetseite des Vereins zur Verfügung. Neben Fachtexten erklären Experten in Videobeiträgen die Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten.

Zur Internetseite der DCCV

Welche genetischen Ursachen bei der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen genau eine Rolle spielen, ist noch immer ungeklärt. Mitgliedern des Exzellenzclusters Entzündungsforschung (http://inflammation-at-interfaces.de/de) gelang die Entschlüsselung einer der bereits 163 bekannten chromosomalen Risikoregionen. Sie fanden heraus, dass eine bestimmte Region auf dem Chromosom 6 bei der Entstehung einer CED von größerer Relevanz ist, als bisher angenommen wurde. Im Exzellenzclusters Entzündungsforschung forschen institutionsübergreifend Wissenschaftler in ganz Schleswig-Holstein zu den molekularen Grundlagen von chronisch entzündlicher Krankheiten.

Weitere Informationen zur Studie der Kieler Wissenschaftler finden Sie auf der Internetseite des Entzündungsclusters

Darmkrebs

Anatomiezeichnung vom Darm. Daneben der das Instrument zur Koloskopie. Darmspiegelung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Infografik Darmspiegelung © bildzwerg / Fotolia.com

Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung. Leider ist Darmkrebs auch die Krebserkrankung, die am zweithäufigsten tödlich verläuft. Dabei könnten – nach Angaben der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein e.V. – bis zu 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden, wenn die Erkrankung bereits im Vor- oder Frühstadium entdeckt würde. Der Grund: Darmkrebs entsteht nicht über Nacht sondern über Jahre. Die meisten Darmkrebserkrankungen entstehen aus gutartigen Wucherungen in der Darmschleimhaut, sogenannte Polypen.

Weitere Informationen zum Thema Darmkrebs bekommen Sie direkt bei der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein e.V.

Eine auch in Schleswig-Holstein vertretene Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Darmkrebs und Stomaträger ist die Deutsche ILCO e.V.

Hier finden Sie Veranstaltungshinweise und Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe.

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