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ADHS

Staatskanzlei

ADHS

Kinder bewegen sich gern. Manche Kinder neigen aber zu exzessiver motorischer Aktivität – sie sind übermäßig impulsiv und können sich nur schwer konzentrieren, einige von ihnen haben möglicherweise ADHS. Aber was genau ist ADHS eigentlich? Wie kann man es erkennen und behandeln? Wie sollen Eltern und Lehrer mit der Erkrankung umgehen? Und was können Erwachsene tun, die unter ADHS leiden?

Was ist ADHS?

Die Buchstaben ADHS bezeichnen das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom. In der Umgangssprache heißt es auch das „Zappelphillip-Syndrom“. Das ist eine psychische Störung, die im Kindesalter beginnt und bis ins Erwachsenenalter anhalten kann.
In Deutschland leiden ungefähr fünf Prozent der Schulkinder unter ADHS, Jungen weitaus häufiger – rund viermal so oft wie Mädchen.

Die Symptome von ADHS können auch im Erwachsenenalter erhalten bleiben. In Deutschland leiden rund zwei bis vier Prozent der Erwachsenen unter den Symptomen der Erkrankung.

Welche Ursachen hat ADHS?

Die Gründe dafür, warum ein Kind an einem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom erkrankt und ein anderes nicht, sind nicht eindeutig zu benennen.
Sicher ist jedoch, dass ein gestörter Dopaminstoffwechsel Ursache eines ADHS ist. Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn und zuständig für das Wahrnehmen und Erkennen, das Urteils- und Vorstellungsvermögen, den Willen, die Kreativität sowie die Fähigkeiten, sich zu erinnern, zu schlussfolgern und zu glauben. Wird ein Bereich im Gehirn zu wenig mit Dopamin versorgt, haben Betroffene oft ungehemmte Temperamentausbrüche. Wird zuviel Dopamin ausgesandt, verursacht dies eine gesteigerte Motorik.
Die Ursachen für den fehlerhaften Stoffwechsel sind jedoch noch nicht klar. Genetische Faktoren scheinen ebenso eine Rolle zu spielen wie psychosoziale Faktoren. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind an ADHS erkrankt, wenn bereits ein Elternteil erkrankt ist. Außerdem wird ein Zusammenhang zwischen starkem Fernseh- oder Computerkonsum im Kindesalter und ADHS gesehen. 

Wie äußert sich ADHS?

Zwei Jungen hängen kopfüber und offensichtlich übermütig schreiend und lachend in einem roten Klettergerüst. Im Hintergrund sind grüne Bäume zu erkennen. Die Jungen tragen blaue und grüngestreifte kurze Kleidung und Turnschuhe. © toolklickit / Fotolia.com

Die Symptome eines ADHS sind vielfältig. Betroffenen fehlt vor allem die Fähigkeit zur Selbststeuerung. Das heißt, dass sie Probleme mit koordinierten Bewegungen oder auch einer zielgerichteten Aufmerksamkeit haben. Sie sind leicht ablenkbar und können feinmotorische Störungen entwickeln. 

Die Hauptsymptome sind:

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen 
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität

Kinder, die von ADHS betroffen sind, haben Schwierigkeiten damit, sich dauerhaft auf eine Sache zu konzentrieren. Sie machen zum Beispiel vermehrt Flüchtigkeitsfehler bei den Hausaufgaben, hören nicht zu, wenn ihnen etwas erklärt wird, oder lassen sich leicht durch andere Reize ablenken. Außerdem müssen sie sich ständig bewegen. Sie haben eine sogenannte exzessive motorische Aktivität. Sie handeln oft sehr impulsiv, platzen mit Antworten heraus, unterbrechen oder stören andere.
Dies hat zur Folge, dass das soziale Umfeld häufig negativ auf das Kind und auch die Eltern reagiert. „Schlechte Erziehung“ ist dann das vorschnelle Urteil im Bekanntenkreis. Doch ADHS ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die therapiert werden kann – je früher desto besser. Eltern sollten daher ganz genau auf das Verhalten ihrer Kinder achten und im Zweifelsfall frühzeitig einen Kinder- oder Jugendpsychologen aufsuchen.

Wie wird ADHS festgestellt?

Ein Kinder- oder Jugendpsychologe stellt die Diagnose bei Kindern. Dabei befragt der Arzt oder die Ärztin das betroffene Kind sowie auch die Eltern/Erzieher und Lehrkräfte. Mit Hilfe von Tests wird die Vermutung überprüft: Die Kinder werden beispielsweise beim Puzzeln beobachtet oder sollen sich Zahlen merken. Zudem werden sie einer psychologischen Untersuchung unterzogen und ihr Verhalten allgemein beobachtet. Dabei müssen mögliche Begleiterkrankungen wie beispielsweise Sprachstörungen berücksichtigt werden, damit diese richtig therapiert werden können.
Bevor der Arzt die Diagnose ADHS stellt, sollten andere Erkrankungen als Ursache für die Symptome ausgeschlossen werden. Darum ist es wichtig, dass der Arzt auch die Blutwerte oder die Funktionen verschiedener Organe wie Leber oder Schilddrüse prüft.

ADHS, ADS und Begleiterkrankungen

Vom ADHS ist die ADS abzugrenzen. ADS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizitstörung, die nicht durch Hyperaktivität gekennzeichnet ist, sondern durch eine Art Verträumtheit. Sind Menschen mit ADHS unruhig und stets auf der Suche nach neuen Ablenkungen, so versinken Personen mit ADS in Tagträumereien und können stundenlang in der Betrachtung von Alltagsgegenständen aufgehen.
Beide Erkrankungen können gleichermaßen einen negativen Einfluss auf das Sozialverhalten haben.
Neben der eigentlichen Erkrankung können Begleiterkrankungen auftreten. Dazu gehören:

  • Störung des Sozialverhaltens
  • Entwicklungsstörungen
  • Tic-Störungen
  • Sprach-/Sprechstörungen
  • Zwangsstörungen

Es ist wichtig, dass der Arzt diese Störungen als Begleiterscheinung der eigentlichen Erkrankung erkennt und den Patienten daraufhin richtig behandelt.

Frau Dr. Gerber-von Müller ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
© Privat

Interview

Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Dr. Gerber-von Müller ist an der Ambulanz für Verhaltensprävention in Familien am UKSH, Campus Kiel, und in eigener Praxis tätig.

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Therapiemöglichkeiten für Betroffene

Ein Junge sitzt an einem Tisch und klopft mit einem schwarzen Hammer bunte, zylinderförmige Holzklötze in ein dafür vorgesehenes Brett mit Löchern. © Köpenicker / Fotolia.com

Da die Erkrankung individuelle Ausprägungen hat, ist auch die Behandlung auf die persönliche Situation des Kindes und der Eltern auszurichten. Das Zusammenspiel verschiedener Methoden ist dabei besonders wichtig:

  • Psychotherapie/Verhaltenstherapie
  • Ergotherapie
  • Konzentrationstrainings
  • Medikamentöse Behandlung
  • Psychosoziale Hilfestellungen
  • Coaching
  • Erziehungshilfen für die Eltern

Das Kind braucht reizarme, klare Strukturen mit überschaubaren Regeln. Die medikamentöse Behandlung hilft den Kindern, ihre Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und mindert ihren Leidensdruck. Manchmal können Kinder erst mit der Therapie beginnen, wenn sie bereits Medikamente einnehmen. Sie sind dann ruhiger und können die neuen Eindrücke der Therapie besser verarbeiten.
Je nachdem wie schwer ein Kind an ADHS leidet, kann die Behandlung ambulant, teilstationär oder stationär erfolgen.

Unterstützung in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein gibt es Selbsthilfegruppen und andere Initiativen, die Betroffenen und ihren Familien Unterstützung bieten.

Das zentrale adhs-netz ist ein bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit dieser Krankheit. Schleswig-Holstein hat zwei Regionalgruppen: Flensburg und Neumünster.

Zum adhs-netz

ADHS Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger Selbsthilfeverein mit ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern auf Bundes-, Landes- und örtlicher Ebene. In den über 250 regionalen Selbsthilfegruppen wird großes Gewicht auf gegenseitigen Austausch und Hilfe bei der Bewältigung der ADHS-spezifischen Alltagsprobleme gelegt.

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