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Grundsätzliches

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Grundsätzliches

Der Begriff Gentechnik ist ein Sammelbegriff für Verfahren, mit denen Gene isoliert, gelesen, kopiert, verändert, neu kombiniert und von einem Lebewesen auf ein anderes übertragen werden können. Es ist z.B. möglich, ein menschliches Gen auf ein Bakterium zu übertragen. Das Bakterium produziert dann anhand des neu eingefügten Gens, dem so genannten Transgen das entsprechende menschliche Eiweiß.

Die Nutzung gentechnischer Verfahren erfordert einen verantwortungsvollen Umgang hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken. Die wirtschaftliche Entwicklung der Gentechnik muss sicher und transparent erfolgen. In der Öffentlichkeit herrscht großer Diskussionsbedarf über die sozialen, ökonomischen, ökologischen, gesundheitlichen, kulturellen und ethischen Auswirkungen dieser neuen Technik. Zudem wollen die Verbraucher wissen, welche Produkte, Zutaten oder Zusatzstoffe mit Hilfe gentechnischer Verfahren hergestellt wurden und gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Der gesellschaftliche Diskussionsbedarf schlug sich auch im Bericht der Enquete-Kommission "Chancen und Risiken der Gentechnologie" vom 8.September 1999, Drs.-Nr. 14/2373 (neu) und in der Kabinettsvorlage 32/02 "Chancen und Risiken der Gentechnik und Biomedizin" vom Januar 2002 nieder.

Zur Abgrenzung der Anwendungsgebiete Medizin, Landwirtschaft, Industrie, Umweltschutz und Meeresbiologie hat sich die Farbbezeichnungen Rot, Grün, Weiß, Grau und Blau durchgesetzt.

Die rote Gentechnologie, die sich auf die Medizin bezieht, betrifft sowohl die Diagnostik von Krankheiten wie auch die Therapie. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Herstellung von Medikamenten mittels gentechnisch veränderter Bakterien, Viren und Zellkulturen.

Bei der grünen Gentechnik in der Landwirtschaft geht es vornehmlich um die Entwicklung von Resistenzen gegen Schädlinge, Krankheiten oder Herbizide. Auch neue Produkteigenschaften spielen eine wichtige Rolle wie eine andere Fettsäurezusammensetzung oder Anpassung an Standortbedingungen. Die erste gentechnisch veränderte Pflanze, die in Deutschland seit 2006 kommerziell angebaut werden durfte, ist eine Maispflanze, die gegen einen Maisschädling, den Maiszünsler, unempfindlich ist. In das Erbgut dieses MON810-Mais wurde mit Hilfe der Gentechnik die Erbinformation für ein bakterielles Insektengift (Bt-Toxin) eingeführt, so dass die Pflanzen dieses Insektengift herstellen und dadurch verhindern, dass Schadinsekten wie beispielsweise Larven des Maiszünslers die Ernte reduzieren. Seit April 2009 ist der Anbau in Deutschland verboten, da Risiken gegen so genannte Nicht-Ziel-Organismen gesehen werden.

Mit der Bezeichnung weiße Gentechnik werden industrielle Anwendungen erfasst, wie z.B. die Herstellung von Enzymen, Kunststoffen, Waschmitteln sowie allgemein die Biokatalyse im Sinne des Ersatzes von chemischen Prozessen durch bio- bzw. gentechnische Verfahren.

Die graue Gentechnik ist eng mit der weißen Gentechnik verbunden. Graue Gentechnik meint im engeren Sinn ihren Einsatz in der Umwelttechnik. Darunter fällt zum Beispiel der Einsatz spezifischer Mikroorganismen zur Reinigung von Abwasser und Böden. Häufig existieren für diese Anwendungen auch biotechnologische Verfahren ohne Einsatz von Gentechnik.

Die blaue Gentechnik ist die jüngste Form der Gentechnik, bei der marine Mikroorganismen zur Verwendung kommen. Diese werden aus der marinen Umgebung isoliert und wie im Falle der weißen Gentechnik in Fermentern unter den bestimmten marinen Bedingungen zur Synthese zahlreicher Stoffe angezogen. Die Mikroorganismen werden zudem gentechnisch verändert, um z.B. die Ausbeute des gewünschten Stoffes zu erhöhen.

Der Nutzen der Grünen Gentechnik ist gesellschaftlich umstritten. Die Landesregierung sieht in der Gentechnikfreiheit beim Anbau in Schleswig-Holstein einen wichtigen Standortvorteil für die Land- und Ernährungswirtschaft. Daher wird die Forderung unterstützt, dass Regionen und Ländern das Recht eingeräumt wird, den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen zu untersagen. Schleswig-Holstein ist daher Mitglied im Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen geworden.

Das zentrale rechtliche Regelungsinstrument für den Bereich der Gentechnik in Deutschland ist das Gentechnikgesetz (GenTG), das zwei entsprechende EU-Richtlinien umsetzt. Darüber hinaus wird derzeit auf EU-Ebene intensiv an Neuregelungen in den Bereichen Lebensmittel, Futtermittel und Saatgut gearbeitet, die Fragen wie Zulassung, Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Grenzwerte verbindlich festlegen sollen.

Das im Jahre 1990 erlassene GenTG regelt den Schutz von Menschen und Tieren, Pflanzen und Umwelt vor möglichen Gefahren der Gentechnik. Gleichzeitig gibt das GenTG den rechtlichen Rahmen für die Erforschung und Nutzung der Gentechnik vor. Das GenTG regelt drei rechtsrelevante Arbeitsgebiete der Gentechnik:

  • Gentechnische Arbeiten in gentechnischen Anlagen (z. B. in Laboren, Gewächshäusern, Produktionsanlagen),
  • Experimentelle Freisetzungen von GVO in die Umwelt,
  • Inverkehrbringen von GVO oder von Produkten, die aus ihnen bestehen oder sie enthalten (z. B. kommerzieller Anbau von transgenen Pflanzen).

Die zentralen Aufgaben bei der Umsetzung des Gentechnikgesetzes sind:

  • Leben und Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen sowie die sonstige Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge und Sachgüter vor möglichen Gefahren gentechnischer Organismen (GVO) und deren Produkte zu schützen und dem Entstehen solcher Gefahren vorzubeugen;
  • die Möglichkeit zu gewährleisten, dass Produkte, insbesondere Lebens- und Futtermittel, konventionell, ökologisch oder unter Einsatz gentechnisch veränderter Organismen erzeugt und in den Verkehr gebracht werden können (Koexistenz),
  • präventive staatliche Kontrolle vor der Inbetriebnahme gentechnischer Anlagen, der Aufnahme gentechnischer Arbeiten im geschlossenen System, vor einer Freisetzung oder dem Inverkehrbringen von GVO,
  • nachgehende Überwachung von gentechnischen Anlagen, gentechnischen Arbeiten sowie von Freisetzungsvorhaben, Überprüfung inverkehrgebrachter Produkte, die GVO enthalten oder mittels solcher hergestellt werden.

Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (MELUR) ist zuständig für:

  • Anzeige, Anmeldung und Genehmigung von gentechnischen Anlagen und Arbeiten
  • Überwachung von gentechnischen Anlagen
  • Überwachung von Freisetzungen
  • Überwachung von Inverkehrbringen