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Fragen und Antworten

Staatskanzlei

Fragen und Antworten

Antworten auf Fragen rund um das Thema "Gender Mainstreaming".

Was heißt Gender Mainstreaming?

Die englische Sprache unterscheidet das biologische Geschlecht ("sex") und das soziale Geschlecht ("gender"). Gender bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten - und damit auch veränderbaren - Geschlechtsrollen von Frauen und Männern.
"Mainstreaming" bedeutet wörtlich "Hauptströmung". Eine inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, wird zum Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht.

Was bedeutet Gender Mainstreaming?

Gender Mainstreaming bedeutet, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Politik- und Verwaltungsbereichen zu berücksichtigen ist. Der Abbau bestehender Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern wird zur Querschnittaufgabe aller Politikfelder. Er ist nicht nur Sache der Frauenpolitik.

Was soll mit Gender Mainstreaming erreicht werden?

Gender Mainstreaming soll zu einer Gesellschaft beitragen, in welcher die Chancen, Möglichkeiten und Verpflichtungen in allen Lebensbereichen unabhängig vom Geschlecht gleich verteilt sind. Eine Berücksichtigung der Belange von Frauen und Männern soll in allen Sachgebieten und Handlungsfeldern der Landesverwaltung durchgängig gewährleistet sein. Mit der Umsetzung von Gender Mainstreaming wird so der Grundsatz des "Guten Regierens" (Good Governance) im Hinblick auf das Geschlechterverhältnis verwirklicht.

Wie funktioniert Gender Mainstreaming?

Die Umsetzung von Gender Mainstreaming erfolgt durch Anwendung der Vier-Schritte-Methode. Alle Vorhaben werden hinsichtlich eintretender Effekte für Frauen und für Männer untersucht und bewertet (Genderanalyse), bei Handlungsbedarf Gleichstellungsziele formuliert, Handlungsalternativen dargestellt, mit denen sich diese Ziele erreichen lassen, eine Entscheidung getroffen, auf welchem Weg sein verfolgt werden sollen und Indikatoren formuliert, mit denen sich im Rahmen des allgemeinen Controllings die Erreichung der Ziele überprüfen lässt.

Wer ist für die Umsetzung von Gender Mainstreaming verantwortlich?

Jede in ihrem und jeder in seinem Bereich - entsprechend der Verteilung von Zuständigkeiten auf den unterschiedlichen Ebenen und in den unterschiedlichen Funktionen. Führungskräfte müssen den Willen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming zeigen - einschließlich einer regelmäßigen Abfrage und Bewertung von Arbeitsergebnissen; sie tragen auch die Verantwortung für geeignete Rahmenbedingungen, zum Beispiel indem sie Gender Mainstreaming thematisieren oder Fortbildungsbedarf erkennen und eine Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden gewährleisten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für eine Umsetzung in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich verantwortlich, bei fachlichen Fragen wie auch im Hinblick auf Arbeitsabläufe. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie andere Expertinnen und Experten, die über spezifisches Wissen zu Geschlechterfragen und Gender Mainstreaming verfügen, sind dafür verantwortlich dieses Wissen in die Organisation einzubringen - und müssen in die Umsetzung von Gender Mainstreaming eingebunden werden.

Wie wird die Zielerreichung gemessen?

In den verschiedenen Sachgebieten und Handlungsfeldern gibt es sehr unterschiedliche Indikatoren, anhand derer sich überprüfen lässt, ob durch eine Maßnahme die angestrebten Ziele erreicht werden konnten. Wie eine Zielerreichung aus einer gleichstellungspolitischen Perspektive ("Gender Controlling") im Einzelfall gemessen werden kann, ist darum (als Teil der Vier-Schritte-Methode) durch die Stelle zu beantworten, welche sie anwendet. Die Überprüfung der Zielerreichung ist somit Teil der routinemäßigen Planungs- und Steuerungsprozesse des allgemeinen Controllings, wie sie in dem "Rahmenkonzept Controlling für die Landesverwaltung" beschrieben sind.

Welche politischen und rechtlichen Vorgaben gibt es?

Das Kabinett hat einen Beschluss des schleswig-holsteinischen Landtags vom 22. Februar 2001 aufgegriffen und ein Rahmenkonzept verabschiedet, das Gender Mainstreaming für alle Ressorts als fachlichen Standard zur verpflichtenden Arbeitsgrundlage erhebt. Landtag und Landesregierung konkretisieren damit Artikel 6 der Landesverfassung, der "die Förderung der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern" zur Aufgabe für die Landesregierung, Gemeinden und Gemeindeverbände erklärt, sowie die Vorgaben aus dem Artikel 3 des Grundgesetzes und Artikel 3 Absatz 2 des EG-Vertrages.

Ersetzt Gender Mainstreaming die Gleichstellung und Frauenförderung?

Nein! Gender Mainstreaming und Gleichstellung oder Frauenförderung sind keine alternativen, sondern einander ergänzende Strategien. Gender Mainstreaming vermeidet unzulässige und legt zugleich bereits bestehende geschlechtsspezifische Ungleichheiten offen. Es zeigt auf, wo Bedarf für besondere Förderung besteht, um Benachteiligungen - von Frauen oder von Männern - abzubauen. So lange Frauen benachteiligt sind, ist Frauenförderung ein Instrument, das Gender Mainstreaming ergänzt, um hierfür einen Ausgleich zu schaffen und Veränderungen zu initiieren.

Welche Vorteile bringt Gender Mainstreaming?

Gender Mainstreaming leistet einen Beitrag zu "Gutem Regieren" (Good Governance), zu einer bürgernahen, modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Unterschiedliche Belange von Frauen und Männern werden frühzeitig berücksichtigt, ein aufwändiges und teures "Nachsteuern" bei politischen Vorhaben und Verwaltungsmaßnahmen so vermieden. Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts werden erkannt und können frühzeitig vermieden oder abgebaut werden. Die Wahrnehmung und Nutzung der Potenziale von Frauen und Männern im Berufsleben führt zu diskriminierungsfreier, besserer individueller Förderung, Motivation und Zufriedenheit, sowie für Organisationen zu einer optimalen Erschließung vorhandener Ressourcen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zu besseren Ergebnissen.

Wo gibt es Praxisbeispiele und weiterführende Informationen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming?

Außerhalb der Landesverwaltung haben zahlreiche Anbieter Informationen über und Erfahrungen mit Gender Mainstreaming publiziert.

Wo gibt es Qualifizierungsangebote zu Gender Mainstreaming?

Die Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD) qualifiziert zu Gender Mainstreaming im Rahmen der Aus- und Fortbildung. Daneben sind die einzelnen Ressorts für die Qualifizierung im Rahmen ihrer Fortbildungsprogramme zuständig, wo entsprechender Bedarf besteht. Hinweise gibt auch das Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung.