Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Die biologische Bewertung der Fließgewässer

Staatskanzlei

Die biologische Bewertung der Fließgewässer

Die Bewertung der Fließgewässer erfolgt nach den Vorgaben der WRRL anhand der Qualitätskomponenten Phytoplankton, Makrophyten/Phytobenthos, Makrozoobenthos und Fische. Die ökologische Gesamtbewertung erfolgt nach dem worst-case Prinzip: die empfindlichste der gemessenen Komponenten bestimmt die Bewertung.

Bewertung Phytoplankton

Das Phytoplankton umfasst die schwebenden Mikroalgen in der Wassersäule und ist als Primärproduzent Bestandteil der natürlichen Fließgewässerflora. Anhand charakteristischer Merkmale wie Pigmentation, Begeißelung und Aufbau der Algenzelle unterscheidet man verschiedene Algengruppen wie z.B. Cyanobakterien, Grünalgen oder Kieselalgen.
Das Phytoplankton in Fließgewässern kann primär als Anzeiger für die Degradation hinsichtlich der Belastung "Eutrophierung" dienen, die durch ein übermäßiges Nährstoffangebot verursacht wird.
Die Phytoplanktonbewertung ist auf Flüsse und Ströme (Typen 10, 15, 17, 20 und 9.2) beschränkt.

Bewertung Makrophyten/Phytobenthos

Mit dem Begriff Makrophyten werden in der Limnologie die Höheren Pflanzen bezeichnet, die den wasserbedeckten Bereich des Fließgewässers besiedeln. Es sind Armleuchteralgen, Moose, Farne und Samenpflanzen.
Die Lebensgemeinschaft des Phytobenthos umfasst die auf der Gewässersohle und im Uferbereich siedelnden Mikroalgen. Sie besiedeln verschiedene Substrate wie Steine, Totholz, Wurzeln und bilden Biofilme auf Wasserpflanzen.
Die Qualitätskomponente Makrophyten/Phytobenthos eignet sich in Fließgewässern zur Anzeige der Abweichung der vorgefundenen benthischen Pflanzengesellschaft vom Referenzzustand (Artenzusammensetzung und Abundanz), zur Bewertung der Trophie sowie der strukturellen Degradation (Wasserpflanzen als Strukturelement). Zusätzlich sind Degradationen durch Versauerung oder Versalzung indizierbar.

Bewertung Makrozoobenthos

Als Makrozoobenthos werden die an der Gewässersohle lebenden Tiere über 1 mm Größe bezeichnet. Die Gewässerbewertung anhand des Makrozoobenthos hat eine lange Tradition.
Das Makrozoobenthos eignet sich zur Anzeige von Gewässerverschmutzung (Saprobie) ebenso wie zur Anzeige struktureller Defizite (Degradation). Um den ökologischen Zustand nach WRRL zu ermitteln, werden nach dem PERLODES-Verfahren neben der Saprobie die Abweichung der Lebensgemeinschaft vom Referenzzustand (Artenzusammensetzung und Abundanz), der Anteil verschiedener Artengruppen (Eintags-, Stein- und Köcherfliegen) und der Anteil von Störanzeigern gemessen.
Daneben wird das bisher genutzte Verfahren "Bewertungsrahmen Bäche Schleswig-Holstein" an ausgewählten Gewässern weiter fortgeführt.

Bewertung Fische

In den Gewässern von Schleswig-Holstein leben 48 einheimische Fischarten. Die Fließgewässer werden insbesondere von strömungsliebenden und strömungs-indifferenten Fischarten bewohnt. Zu den charakteristischen Fisch- und Rundmäulerarten in Fließgewässern zählen z.B. Bach- und Flussneunauge, Forelle, Aal, Gründling, Flussbarsch und Brassen.
Die Fischfauna in Fließgewässern reagiert sowohl auf hydromorphologische Veränderungen, z.B. bzgl. der Sedimentzusammensetzung und Tiefenvarianz, als auch auf physikochemische Veränderungen, z.B. bzgl. des Sauerstoffgehaltes und der Temperatur. Daher wirken sich auch punktuelle und diffuse chemische und organische Einträge auf die Fischfauna aus.

Bewertung der Gewässergüte (Saprobie)

Grundlage zur Indikation und Bewertung der Gewässergüte ist die biologische Gewässeruntersuchung auf der Basis des Saprobiensystems. Aufgrund der unterschiedlichen Anpassungsfähigkeit an verschiedene Milieufaktoren lassen sich bestimmte Organismen verschiedenen Belastungsstufen zuordnen. Ihr Fehlen oder Vorkommen lässt eine Beurteilung der jeweiligen Situation zu. Ab 1895 wurden verschiedene biologische Verfahren zur Beurteilung der Verschmutzung mit organischer Substanz entwickelt. Heute wird in Deutschland das Saprobiensystem benutzt, dass von Kolkwitz und Marsson entwickelt wurde. Sie untersuchten ab 1902 systematisch die Reaktion von Pflanzen und Tieren auf verschieden hohe organische Belastungen und fassten ihre Beobachtungen im sogenannten Saprobiensystem zusammen. Dies ist ein Verzeichnis von wirbellosen Tierarten, die einen bestimmten Grad organischer Verschmutzung (Saprobität oder Saprobie) anzeigen. Die Zuordnung der Arten erfolgte in vier Klassen. Dieses System wurde weiterentwickelt und liegt seit 2004 in der Revision als DIN-Verfahren (DIN 38 410, Teil 2) vor. Es ist auch Teil der Bewertung nach WRRL.
Das Verfahren ist nur in Fließgewässern Mitteleuropas anwendbar und problematisch bei der Beurteilung von nicht ständig Wasser führenden, von gestauten, versauerten oder (durch giftige Stoffe) verödeten Gewässern.
Das DIN-Verfahren beinhaltet eine Liste von Arten, die mit bloßem Auge erkennbar sind, sowie Pilze, Bakterien und Einzeller, die nur mit Hilfe eines Mikroskops bestimmt werden können. Diesen Arten sind feste Zeigerwerte (Saprobien-Indizes) und eine Gewichtung dieses Zeigerwertes zugeordnet. Das auf dem Saprobiensystem beruhende Revisionsverfahren teilt die Gewässergüte in Anlehnung an die WRRL in fünf Klassen ein.
In Schleswig-Holstein liegen die gemessenen Saprobiewerte im Bereich "sehr gut" bis "mäßig".

 Die Abbildung zeigt den saprobiellen Zustand – gemessen anhand der Wirbellosenfauna – für die verschiedenen Gewässertypen in Schleswig-Holstein Saprobie (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Die Abbildung zeigt den saprobiellen Zustand – gemessen anhand der Wirbellosenfauna – für die verschiedenen Gewässertypen in Schleswig-Holstein; 14: sandgeprägte Bäche, 15: sandgeprägte Flüsse, 16: kiesgeprägte Bäche, 17: kiesgeprägte Flüsse, 19: Niederungsgewässer, 21: seeausflussgeprägte Gewässer; Stand 2009. © LLUR, Dez. 41

Inzwischen ist die organische Belastung durch Kläranlagen zurückgegangen. Neben der Beeinträchtigung durch Ausbau- und Unterhaltung spielt der diffuse Nährstoffeintrag, beispielsweise aus landwirtschaftlichen Nutzungsflächen, eine größere Bedeutung. Zukünftig werden sich die Anstrengungen zur Gewässerreinhaltung daher nicht mehr nur oder vorrangig auf die Verbesserung der Abwasserreinigung konzentrieren, sondern verstärkt auf Maßnahmen der naturnahen Gewässergestaltung, auf die Ausweisung von Uferrandstreifen, von Vorrangflächen für den Naturschutz (Biotopverbundsystem) und auf die Biotopprogramme im Agrarbereich (Extensivierung der Landwirtschaft) zur weiteren Reduzierung des diffusen Eintrages von Stickstoff und Phosphor. Auch der zunehmende Anbau von Mais als Energiegewinnung wirkt sich sowohl im Hinblick auf den Eintrag diffuser Nährstoffe, von anorganischen Sedimenten und organischen Bodenpartikeln als auch im Hinblick auf den Flächenbedarf negativ aus. Die Nährstofffrachten tragen zudem in erheblichem Maße zur Eutrophierung von Seen und von Nord- und Ostsee bei.

Biologische Untersuchung kleiner Fließgewässer: Bewertungsrahmen

Der Ökologische Bewertungsrahmen Bäche wurde 1989 in Schleswig-Holstein entwickelt. Im Gegensatz zum Saprobiensystem, welches die stofflichen Belastungen bewertet, konnten damit erstmals auch die Folgen von strukturellen Defiziten aufgezeigt werden. Anhand einer speziell auf Schleswig-Holstein angepassten Artenliste wird die Anzahl empfindlicher Indikatorarten im Bach erfasst und damit die "Naturnähe" des Baches bewertet. Die Methode "Bewertungsrahmen" unterscheidet sich von den Untersuchungen nach WRRL, da die Fauna zu verschiedenen Jahreszeiten untersucht wird und vor allem auch seltene Arten erfasst werden. Aus diesem Grund findet diese Methode Anwendung zur Ermittlung des Wiederbesiedlungspotenzials und von besonders schützenswerten Gewässerabschnitten.

Weitere Informationen

Bewertung Phytoplankton

Bewertung Makrophyten/Phytobenthos

Bewertung Makrozoobenthos

Bewertung Fische