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Grundsätzliches

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Grundsätzliches

Warum ist Bodenschutz notwendig?

Der Boden ist eine knappe und nicht vermehrbare Ressource, die sich nur sehr langsam über Jahrtausende entwickelt. Er bildet ein komplexes und vielfältig ausgeprägtes Medium, das eng verknüpft ist mit der Atmosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre.

Im Zusammenspiel der Ökosysteme erfüllt der Boden lebensnotwendige Funktionen:

  • Er ist Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.
  • Er ist Schutzschicht und natürlicher Filter für das Grund- und Trinkwasser.
  • Er ist Produktionsgrundlage und Nutzfläche für Land- und Forstwirtschaft, Siedlungen, Verkehrsanlagen, Erholung, Ver- und Entsorgung.
  • Er ist Rohstofflagerstätte und Lieferant von Materialien wie Sand, Kies und Ton.
  • Er ist Bestandteil des Naturhaushaltes, insbesondere mit seinen Wasser- und Nährstoffkreisläufen.
  • Er ist Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen aufgrund seiner Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften.
  • Er ist kulturelles und geowissenschaftliches Erbe.

Die natürlichen Funktionen des Bodens wurden in der Vergangenheit sowohl über- als auch unterschätzt. Der Boden schien unendliche Schadstoffsenke zu sein - plötzlich wurde er jedoch zur Schadstoffquelle und führte beispielsweise zu Grundwasserverunreinigungen. Mittlerweile wissen wir, dass ein gestörtes Gleichgewicht der natürlichen Bodenfunktionen nur sehr schwer und mit großem, auch finanziellem, Aufwand wiederhergestellt werden kann.

Der Boden erfüllt nicht nur wichtige ökologische Aufgaben, sondern trägt durch seinen ökonomischen Wert ganz wesentlich zu unserer Lebensgrundlage und -qualität bei. Diese Grundlage gilt es unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit für kommende Generationen zu erhalten.

Der Schutz des Bodens spielte über lange Zeit keine große Rolle. Denn die vom Menschen verursachten, negativen Einflüsse - Einträge von Nähr- und Schadstoffen oder physikalische Zerstörung durch Bodenabtrag, Bodenverdichtung und Versiegelung - machten sich oft erst sehr viel später bemerkbar.

Anfang der 70er Jahre wurden das Naturschutzgesetz, das Abfallgesetz und das Immissionsschutzgesetz auf den Weg gebracht - ohne den Bodenschutz explizit zu berücksichtigen. Die Probleme von Bodenbelastungen und Handlungsansätze wurden erstmals 1985 in der Bodenschutzkonzeption der Bundesregierung aufgegriffen. Ein medial ausgerichtetes Bodenschutzgesetz, mit dem das Immissionsschutz- und Wassergesetz ergänzt werden sollten, hielt der Gesetzgeber zu diesem Zeitpunkt für nicht erforderlich. Vielmehr sollten die bestehenden Gesetze entsprechend nachgebessert werden.

Erst als die Altlastenproblematik bekannt wurde, rückte der Bodenschutz in das Blickfeld der Umweltpolitik. Georgswerder, Kieselrot oder der schleswig-holsteinische Altstandort Neue Metallhütte Lübeck - dessen Sanierung öffentliche Mittel von über 70 Millionen Euro verschlungen hat - machten deutlich, dass es nicht mit der Sanierung solcher Standorte getan ist. Ziel muss es vielmehr sein, derartige Bodenbelastungen von vornherein zu vermeiden. In den letzten zehn Jahren gewann das Bodenschutzrecht daher an Bedeutung.

In Schleswig-Holstein ist die Altlastenproblematik von den Fallzahlen her nicht so ausgeprägt wie in anderen Bundesländern. Aber auch in diesem Flächenland ist sie in ihrer ganzen Bandbreite vorzufinden. Nachdem Altablagerungen (stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen) bereits 1985 landesweit von den Kreisen und kreisfreien Städten ausfindig gemacht wurden, veranlasste das Umweltministerium 1997 nochmals die systematische Erfassung von Altstandorten (stillgelegte Gewerbe- und Industriebetriebe).

Nicht alle Verdachtsflächen bedeuten eine Gefahr für die Umwelt. Schätzungen des Umweltbundesamtes gehen davon aus, dass in 20 Prozent der Fälle weitere Untersuchungen und Maßnahmen notwendig werden. Für Schleswig-Holstein würde das bedeuten, dass circa 3.400 Altstandorte zu untersuchen und möglicherweise zu sanieren wären.

Weitere Ausführungen sind im Altlastenbericht der Landesregierung vom Oktober 2002 zu finden.

Die schleswig-holsteinischen Böden befinden sich aufgrund des hohen Anteils landwirtschaftlicher Nutzung (73 Prozent der Landesfläche) im Vergleich zu denen in anderen, stärker industrialisierten Bundesländern in einem relativ guten Zustand. Nähr- und Schadstoffanreicherungen, die im Grundwasser nachzuweisen sind, sowie Bodenverluste durch Erosion und Versiegelung geben dennoch Anlass zur Sorge.

Das im September 1997 vom schleswig-holsteinischen Landtag verabschiedete Bodenschutzprogramm, besitzt in seinen programmatischen Aussagen immer noch Aktualität. Es basiert auf dem Ansatz, dass der Boden als Ökosystem begriffen wird. Damit hat die Landesregierung Vorsorge als Ausgangspunkt für den Bodenschutz festgeschrieben. Gleichzeitig sollen die sozioökonomischen Nutzungsmöglichkeiten der Böden durch Land- und Forstwirtschaft, Siedlung, Wirtschaft, Erholung und Verkehr langfristig gesichert werden. Bereits im Bodenschutzprogramm ist verankert, dass ein Landesbodenschutz- und Altlastengesetz zur Umsetzung des Bundes-Bodenschutzgesetzes notwendig ist. Künftig werden die Schwerpunkte auf der Umsetzung der programmatischen sowie zwischenzeitlich geschaffenen rechtlichen Grundlagen liegen.