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Bibliotheken auf dem Weg in die Zukunft

Staatskanzlei

Bibliotheken auf dem Weg in die Zukunft

Bibliothek des Landesarchivs Schleswig-HolsteinBibliothek des Landesarchivs Schleswig-Holstein © Landesarchiv

In Schleswig-Holsteins Städten und Gemeinden gibt es 160 öffentliche Bibliotheken und 13 Fahrbüchereien mit etwa 640 Beschäftigten und einem sehr hohen Maß an Professionalität: Über 70 Prozent sind hauptamtlich geleitet. Etwa 276.000 Menschen nutzen in Schleswig-Holstein die Bibliotheken. Das heißt, jede/jeder Zehnte geht in die Bibliothek. Mit einem Bestand von knapp vier Millionen Medien und über 15 Millionen Entleihungen liegt Schleswig-Holstein bei den "Entleihungen pro Einwohner/in" über dem bundesweiten Durchschnitt.

Die Träger der Bibliotheken

Träger der Bibliotheken sind in der Regel die Städte und Gemeinden. Dabei nehmen die Standbüchereien auch Aufgaben für das Umland ihrer Sitzkommune wahr, je nachdem ist die Ausstattung, Organisation und Qualität der Bibliotheken sehr unterschiedlich. Ergänzt wird dieses Angebot durch die Fahrbüchereien, die vor allem kleine Gemeinden ansteuern und dafür sorgen, dass es ein möglichst flächendeckendes Angebot in Schleswig-Holstein gibt. Die Fahrbüchereien werden vom Büchereiverein unterhalten.

Der Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V.

Das Bibliothekswesen wird im Land übergreifend gemanagt vom Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V., der für diese Aufgabe 1995 gegründet wurde. Zum zentralen Service des Büchereivereins zählen u.a. die Marktsichtung, die zentrale Medienbestellung, Beratung zu Bestandsaufbau und -pflege, in EDV sowie Bau- und Einrichtungsfragen, Bereitstellung von Blockbeständen und Wissensboxen, Organisation von Kinder- und Jugendbuchwochen, Öffentlichkeitsarbeit, Statistik und Fortbildungen. Dafür erhält der Büchereiverein finanzielle Mittel aus dem Finanzausgleichsgesetz (FAG).

Der Landesentwicklungsplan von 2010 sieht den bedarfsgerechten und bürgerorientierten Erhalt und Ausbau der Bibliotheken mit einer Orientierung der Standorte am zentralörtlichen System vor, also an Versorgungs- und Entwicklungsschwerpunkten im Land.

So werden Bibliotheken finanziert

Grundlage für die Finanzierung des Bibliothekswesens sind privatrechtliche, zwischen den Kommunen und dem Büchereiverein abgeschlossene Verträge. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Qualitätssicherung durch gut ausgebildetes und fest angestelltes Personal. Voraussetzung für die Gewährung der FAG-Zuschüsse an die Bibliotheken ist, dass diese sich der zentralen Dienste der Büchereizentrale bedienen. Damit wird sichergestellt, dass durch die Bündelung der zur Verfügung stehenden Mittel ein Maximum an Leistung erzielt wird. Das Vertragssystem garantiert eine bundesweit beispielhafte interkommunale Zusammenarbeit mit erheblichen Synergieeffekten, die allen Beteiligten zugutekommen. Es gibt je nach Situation vor Ort unterschiedliche Verträge, in denen nach exakten Kriterien die Art der Zuschüsse an die Bibliotheken geregelt wird.
Die Verteilung der Mittel erfolgt an die rund 130 Gemeinden, Kreise und Ämter mit Bibliotheken, die im Büchereiverein Mitglieder sind.

Gesetz soll wichtige Arbeiten der Bibliotheken absichern

Trotz der guten Präsenz der Bibliotheken in der Fläche, gibt es auch in Schleswig-Holstein Probleme. Immer mehr Kommunen streichen aufgrund vorhandener Sparzwänge Personalstellen. Für die Landesregierung zählen Bibliotheken mit ihren vielfältigen Bildungs- und Kulturangeboten zu den Kernen kultureller Infrastruktur. Das hat sie in den Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein festgeschrieben. Mit einem Gesetz möchte sie die Bibliotheken bei ihrer Arbeit unterstützen. Die wichtigsten Gründe dafür lauten:

  • Bibliotheken ermöglichen flächendeckend schnell und unkompliziert einen Zugang zu Literatur, Medien und Information
  • und sind dabei ein Treffpunkt für alle Altersstufen, für alle sozialen Gruppen und für alle Kulturen.
  • Sie sind Integrations- und Lernort,
  • führen Kinder spielerisch an Sprache sowie an das Lesen heran
  • und helfen Jugendlichen und Erwachsenen, sich im "Medien- und Informationsdschungel" zurechtzufinden.
  • Sie beherbergen die unterschiedlichsten Genre und Medien von modern bis klassisch: Bücher, Romane, Krimis, dicke Wälzer, dünne Lyrikbändchen. Spiel- und Dokumentarfilme auf DVD sowie Blu-Ray.
  • Bibliotheken bieten Sachbücher, Ratgeber, Reiseführer, Sprachkurse, Musik-CDs, Noten, Zeitungen, Zeitschriften, Computer-, Wii- und klassische Gesellschaftsspiele, Hörbücher, Online-Angebote im pdf- und mp3-Format oder als E-Book.
  • Sie offerieren fremd- und zweisprachige Literatur, Lexika, Kinderbücher, Lern-Adventures und vieles mehr.
  • Als Ort des Austauschs und ganz wörtlich des Tauschs von Medien sind sie modern und ressourcenschonend und
  • bieten im Sinne der Chancengleichheit jedem eine Möglichkeit, vor Ort kostenlos ein reiches Zeitungs- und Zeitschriftenangebot einzusehen. Bibliotheken sind außerdem multimediales Gedächtnis und Wissensspeicher, Dienstleister in der Wissensgesellschaft, aber auch Arbeitgeber und über die Medienerwerbungen nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

Damit sind die Bibliotheken wichtige Partner in einer sich insbesondere durch die Digitalisierung rasant verändernden Welt. Sie können als Bildungszentren insbesondere im ländlichen Raum einen wichtigen Beitrag leisten. Insgesamt bieten die Bibliotheken in Schleswig-Holstein jährlich über 7.600 Veranstaltungen an.

Das Gesetz soll den Bibliotheken dabei helfen, ihre Stellung zu sichern und ihre Bedeutung für die kulturelle Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein zu betonen. Im Vordergrund stehen dabei die Qualitäts- und Angebotssicherung. Ziele dieser Gesetzesinitiative sind:

  • die strukturelle und rechtliche Absicherung der guten bibliothekarischen Grundversorgung im Land,
  • die zukunftsfeste Ausrichtung des Bibliothekssystems Schleswig-Holstein,
  • die Bestands- und Angebots- sowie Qualitätssicherung und Professionalisierung auf hohem Niveau,
  • die generelle Aufwertung der Bibliotheken und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft,
  • die Schaffung von Räumen für Angebote der Bibliotheken für die Integration von Flüchtlingen und Migrant/innen, Projekte für Lese-Neulinge und Analphabet/innen, für konkrete Zielgruppenarbeit und kulturelle Teilhabe, für Digitalisierung und generationenübergreifende Projekte
    sowie
  • die stärkere Vernetzung mit anderen Kultur- und Bildungspartnern.

Schleswig-Holstein ist als fünftes Bundesland der Handlungsempfehlung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Kultur in Deutschland" nachkommen, ein Bibliotheksgesetz zu erlassen.