Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Erfassung von Altstandorten

Staatskanzlei

Erfassung von Altstandorten

Zu den Altstandorten zählen ehemalige Gewerbegrundstücke sowie sonstige Grundstücke, auf denen umweltrelevante Stoffe eingesetzt worden sind, so dass eine schädliche Bodenveränderung nicht auszuschließen ist oder sonstige Gefahren für den einzelnen und die Allgemeinheit hervorgerufen werden können.

Altstandorte wurden in Schleswig-Holstein bereits seit 1986 zunächst auf der Grundlage von Erlassen durch die Kreise und kreisfreien Städte erfasst. Seit 2002 regelt das Landesbodenschutz- und Altlastengesetz die Ausführung der Erfassung.

Für die systematische historische Erhebung von Altstandorten werden primär historische Adressbücher und Gewerbemeldedaten hinsichtlich altlastrelevanter Branchennennungen ausgewertet. Als Ergebnis der digitalen Datenaufnahme liegt ein Adressenpool aller potentiellen Altstandorte vor, dieser wird in einer landesweit einheitlichen Datenbank in einem sogenannten Prüfverzeichnis (P1) verwaltet.

Um aus den ermittelten Flächen die tatsächlich altlastrelevanten Altstandorte gemäß § 2 BBodSchG und § 3 BBodSchV herauszufiltern, ist eine Erstbewertung nach festgelegten Vorgaben erforderlich. Sofern eine fachlich abgesicherte Verdachtsentkräftung festgestellt wird, kann der Standort frühzeitig aus der weiteren Bearbeitung ausgeschieden und in ein Archiv überstellt werden (A1/ A2).

Im Folgenden werden die Verfahrensschritte der Erstbewertung von Altstandorten kurz beschrieben.

Bei der Vorklassifizierung werden Nutzungszeitraum und Betriebsdauer kritisch auf ihre tatsächliche Altlastenrelevanz geprüft. Grundlage sind die sogenannten Negativlisten. Sofern Hinweise vorliegen, dass die Ausübung des Gewerbes in Schleswig-Holstein ohne Gefährdungsvermutung ist, werden die Standorte ebenfalls in das Archiv (A 1) überstellt. Gleiches gilt auch für Gewerbe, die nur in einem altlastirrrelevanten Zeitraum bzw. mit einer sehr kurzen Nutzungsdauer erfasst wurden.

Im Rahmen der multitemporalen Kartenauswertung werden historische und aktuelle Karten ausgewertet, um sowohl eindeutig altlastirrelevante Standortnutzungen zu identifizieren als auch Standortgegebenheiten zu ermitteln, die die Ausübung eines Gewerbes nicht im altlastrelevanten Maßstab zulassen.
Bei der Bauaktenauswertung wird die tatsächliche Nutzungsgeschichte der Fläche festgestellt. Fälle mit eindeutig altlastirrelevanten Szenarien wie z.B. einer reinen Wohn- oder Büronutzung werden umgehend ausgeschieden und archiviert (A1).

Der verbleibende Datenbestand wird um bewertungsrelevante Informationen ergänzt, so dass eine Klassifizierung als letzter Schritt der Erstbewertung durchgeführt werden kann. Die Klassifizierung von potentiell altlastverdächtigen Altstandorten wird nach festgelegten Bewertungskriterien durchgeführt, denen jeweils eine Standardpunktzahl zugeordnet ist. Um das Bewertungssystem flexibel zu gestalten, sind Abweichungen von der Regelbepunktung in vorgegebenen Grenzen möglich, die nachvollziehbar zu begründen sind. Durch dieses "offene System" findet der Einzelfall mit seinen spezifischen Besonderheiten weitestgehend Berücksichtigung.

 Ablaufschema der Erstbewertung von Altstandorten Ablaufschema der Erstbewertung von Altstandorten (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Ablaufschema der Erstbewertung von Altstandorten © LLUR

Ziel der Klassifizierung ist sowohl die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Gefährdung als auch die Festlegung des weiteren Handlungsbedarfes für den jeweiligen Einzelfall.

Als Ergebnis der Erstbewertung sind folgende Einstufungen möglich:

  • Kategorie Archiv (A1):
    Keine Bestätigung des Altlastenverdachtes (parameterunabhängig).
  • Kategorie Archiv (A2):
    Unter den gegebenen Umständen besteht kein Verdacht einer Gefährdung (parameterabhängig).
  • Kategorie Kataster K/ Prüfverzeichnis P2:
    Eine Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit kann nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Entsprechende Flächen werden gemäß § 5 LBodSchG nach abgeschlossener Eigentümerinformation als altlastverdächtige Flächen oder Altlasten in die kommunalen Altlastenkataster bzw. in das Altlasteninformationssystem des Landes eingestellt (Kategorie K). Zuvor werden die Flächen im Prüfverzeichnis P2 geführt.

Flächen, für die eine unzureichende Bewertungsgrundlage festgestellt wurde, werden außerhalb des Katasters verwaltet und verbeiben als nicht bewertbar (n. b.) im Prüfverzeichnis P1.

Durch die Verfahrensschritte der Erstbewertung erfolgt eine kontinuierliche Abnahme der Fallzahl. Erfahrungsgemäß werden nur ca. 10% der ursprünglich erfassten Standorte als tatsächlich altlastverdächtig in die Kategorie K eingestuft und in das Altlastenkataster überführt.

 Beispielhaftes Erstbewertungsergebnis für eine Stadt in Schleswig-Holstein Beispielhaftes Erstbewertungsergebnis für eine Stadt in Schleswig-Holstein © LLUR

Die systematische, historische Erhebung von Altstandorten ist in Schleswig-Holstein seit 2008 landesweit abgeschlossen. Seit dieser Zeit erfolgt in den Gebietskörperschaften eine eigenständige Aktualisierung der Datenbankinhalte.
Bis Ende 2013 lagen für ca. 86.000 Flächen Hinweise auf eine altlastrelevante Nutzung in der Vergangenheit vor. Auf der Grundlage der bis 2012 aktualisierten Branchenbewertung wurde die Vorklassifizierung als erster Verfahrensschritt der Erstbewertung für diese Standorte durchgeführt. Dies trifft auch für die multitemporale Kartenauswertung zu, die in allen geeigneten Städten und Gemeinden zum Einsatz kam. Für viele Städte und Gemeinden des Landes liegen zusätzlich bereits vollständige Erstbewertungsergebnisse vor, so dass hier die kommunalen Verwaltungen über belastbare Altlastenkataster verfügen. Derzeit befinden sich noch ca. 39.000 Standortadressen im Prüfverzeichnis P1, die einer Erstbewertung zu unterziehen sind.
In Schleswig-Holstein wird angestrebt, den Aufbau der Altlastenkataster bis 2017 abzuschließen. Ausgenommen davon sind jedoch kleinere Gemeinden.

Aufgrund der bisherigen Arbeitsergebnisse wird der Anteil der tatsächlich als altlastverdächtig eingestuften Altstandorte bezogen auf die Gesamtanzahl auf ca. 10% geschätzt.

 Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den Landkreisen Schleswig-Holsteins Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte in den Landkreisen Schleswig-Holsteins (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den Landkreisen Schleswig-Holsteins © LLUR

 Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins Darstellung der Gesamtanzahl potentieller Altstandorte mit dem jeweiligen Anteil altlastverdächtiger Flächen (Katasterfälle) in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins © LLUR