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Ableitungsbedingungen

Staatskanzlei

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Gefährdungsabschätzung - Bewertungsgrundlagen für Schadstoffe in Altlasten

Die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) vom 12. Juli 1999 enthält im Anhang 2 Maßstäbe zur Gefahrenbeurteilung in Form von Prüf- und Maßnahmenwerten für bestimmte Wirkungspfade und Schadstoffe.

Seit Vorliegen der Verordnung sind für 47 weitere altlastrelevante Stoffe und Stoffgruppen - bezüglich des Wirkungspfades Boden -> Mensch (direkter Kontakt) - vergleichbare Maßstäbe zur Gefahrenbeurteilung abgeleitet worden. Dazu gehören insbesondere flüchtige Stoffe und sprengstofftypische Verbindungen. Dabei fanden die zur Ableitung entsprechender Werte im Anhang 2 der BBodSchV herangezogenen Methoden und Maßstäbe Anwendung (siehe Bundesanzeiger Nr. 161 a vom 28. August 1999 oder die vom Umweltbundesamt herausgegebene Loseblattsammlung "Berechnungen von Prüfwerten zur Bewertung von Altlasten", E. Schmidt, Berlin, 1999).

Eine Zusammenstellung der Fundstellen für Prüfwerte, der behelfsmäßigen Boden-Orientierungswerte und anderer bodenrelevanter Substanzen mit Fundstellen der humantoxikologischen Bewertungsmaßstäbe (TRD ) findet sich beim "Umweltbundesamt".

Da im Vollzug ein dringender Bedarf an Prüfwerten für weitere in Anhang 2 BBodSchV nicht genannte Schadstoffe besteht, hat die Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) auf ihrer 29. Sitzung am 14./15. März 2006 beschlossen, dass sie die aktualisierte Fassung der Arbeitshilfe „Bewertungsgrundlagen für Schadstoffe in Altlasten – Informationsblatt für den Vollzug“ (Stand: März 2006) den Ländern als Arbeitshilfe für den Vollzug zur Verfügung stellt.
Das Informationsblatt beinhaltet soweit vorliegend die Prüfwert-Vorschläge bzw. stoffbezogene Berechnungen für die vier Nutzungskategorien Kinderspielflächen, Wohngebiete, Park- und Freizeitanlagen sowie Industrie- und Gewerbegebiete.
Neben den bestehenden Bewertungshinweisen u.a. für leichtflüchtige Substanzen und sprengstofftypischen Verbindungen werden mit der neuen Fassung auch für chemische Kampfstoffe und deren Abbauprodukte Bewertungshinweise gegeben.

Das Informationsblatt wird durch eine Liste mit den aktuellen Analysenverfahren für die im Informationsblatt genannten Parameter vervollständigt.

Für den Vollzug in Schleswig-Holstein ist zudem ein Auszug aus der Arbeitshilfe auf zwei DIN A4 – Seiten (1 Seite Werte-Tabelle) erstellt worden.

Da in der BBodSchV kein Prüfwert für PAK gesamt, sondern nur für Benzo(a)pyren enthalten ist, wird empfohlen, neben dem Prüfwert für Benzo(a)pyren als Einzelstoff nach Anhang 2 Nr. 1.4 BBodSchV die Substanz Benzo(a)pyren auch als Leitparameter für andere kanzerogene PAK heranzuziehen. Entsprechende Grundlagen für die Bewertung liegen vor (Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe, FoBiG GmbH Juli 1999, UFOPLAN FKZ 298 73 771). Auf die Empfehlung des wissenschaftlichen Beirates Bodenschutz, die unter vorbehaltlicher Berücksichtigung der Hintergrundbelastung einen Prüfwertvorschlag von 1 mg/kg für Benzo(a)pyren als Leitparameter für PAK gesamt (Kinderspielflächen, Wohngebiete und Park- u. Freizeitanlagen) aufführt, wird hingewiesen.
Die LABO-Arbeitshilfe „Bewertungsgrundlagen für Schadstoffe in Altlasten – Informationsblatt für den Vollzug“ sowie der Hinweis zur Bewertung von PAK wurde per Erlass (V 662-5810.01.-1.11-4 vom 12.07.06) den zuständigen Behörden in Schleswig-Holstein mit der Bitte um Beachtung zugesandt.

Bei flüchtigen Stoffen ist der inhalative Expositionspfad im Szenario Wohngebiet und Industrie- und Gewerbeflächen maßgeblich. Die Ableitung verwendet ein ergänzendes Expositionsszenario bei dem der Übertritt von Schadstoffen über die Bodenluft in die Innenraumluft abgeschätzt wird.

Die ergänzenden Ableitungsmethoden sind ebenfalls in der Loseblattsammlung "Berechnungen von Prüfwerten zur Bewertung von Altlasten" des Umweltbundesamtes (UBA) aufgeführt.
Die rechtliche Verbindlichkeit dieser Werte ist nicht mit Prüfwerten gleichzusetzen, die auf Grundlage der für den Anhang 2 BBodSchV herangezogenen Methoden und Maßstäben abgeleitet wurden. Der Grund liegt darin, dass die Quantifizierung der Exposition des Menschen bei flüchtigen Stoffen Unsicherheiten enthält, und die reale Exposition weitgehend von standortspezifischen Faktoren abhängig ist. Die Anwendung der Werte für die flüchtigen Stoffe bedarf daher der Einzelfallprüfung.
Es ist zu beachten, dass auf Grund des Innenraumszenarios bei flüchtigen Stoffen die Nennung von Werten für Kinderspielflächen und Park- und Freizeitanlagen entfällt.

Bei der Ableitung der Prüf- und Hinweiswerte wurde wie folgt vorgegangen:

Für jeden Stoff wurde die Gefährdung von Menschen bei langfristiger Aufnahme des Stoffes über Nahrung, Atemluft oder Haut abgeschätzt. Aus den jeweiligen toxikologischen Ausgangsdaten ergaben sich für die verschiedenen Aufnahmeszenarien unterschiedlich hohe (gefahrenbezogene) Wirkungsgrenzen. Die jeweils niedrigsten Werte stellen ein erstes Prüfwert-Zwischenergebnis dar, dass aber auf Plausibilität geprüft werden muss. Die Zwischenergebnisse wurden dafür mit verschiedenen sonstigen Daten verglichen (Hintergrundgehalte, toxikologische Daten mit unsicherer Datenlage, Daten zur akuten Toxikologie, Geruchsschwellen u.a.).

Die in der BBodSchV angegebenen Prüfwerte bzw. die entsprechenden Werte für weitere Stoffe können nach dieser Plausibilitätsprüfung dem ersten Prüfwert-Zwischenergebnis entsprechen. Häufig jedoch weichen die Werte vom berechneten Zwischenergebnis ab, d.h. sie wurden teilweise höher (insbesondere bei stärkerer Hintergrundbelastung) und teilweise niedriger festgelegt.

Für die Bewertung kann die eigentliche Begründung eines Wertes im Rahmen der Einzelfallbetrachtung von Bedeutung sein. Die folgenden Tabellen stellen ein Hilfsmittel dar, um die den aufgeführten Werten zu Grunde liegenden Annahmen im ersten Überblick einzusehen. Da es sich um eine starke Verkürzung zum Zweck des Überblicks handelt, sollte im Einzelfall die Loseblattsammlung "Berechnungen von Prüfwerten zur Bewertung von Altlasten" des UBA als Informationsbasis herangezogen werden.

Die Prüfwerte bzw. die entsprechenden Werte sind in der jeweils oberen Zeile (fett) angegeben. Darunter ist das gefahrenbezogene Prüfwert-Zwischenergebnis vor der Plausibilisierung aufgeführt, das sich aus den ersten Berechnungen ergibt.

Wurde ein Prüfwert entsprechend der Ableitung festgelegt, verweist die gelbe Farbe und der Pfeil in der oberen Zeile auf diese Übereinstimmung. Bei hellgrauen Feldern wurde der Prüfwert niedriger als der berechnete Wert festgelegt, bei dunkelgrauen Feldern wurde der Prüfwert hochgesetzt. Hinter den Zahlen sind Kurzerläuterungen zum verwendeten Aufnahmepfad, der Wirkungsart, Gefahrenfaktoren und Begründungen angefügt, die am Fuß der Tabelle erklärt sind.

In der Tabelle der Eckdaten zu orientierenden Hinweisen auf Prüfwerte sind auch Orientierungsbereiche zur Bewertung von Bodenluftkonzentrationen aufgeführt.