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Kommunale Abwasserbeseitigung (Direkteinleiter)

Staatskanzlei

Kommunale Abwasserbeseitigung (Direkteinleiter)

Das in Abwasserleitungen und -kanalisationen gesammelte Schmutz- und Mischwasser wird in kommunalen oder industriellen Kläranlagen behandelt.

Der Bau und der Betrieb von Kläranlagen und die Einleitung des gereinigten Abwassers in ein Gewässer ist in der Regel von der Wasserbehörde zu genehmigen bzw. zu erlauben.

Die Anforderungen an die Abwasserreinigung werden in der Einleitungserlaubnis festgesetzt. Dabei sind grundsätzlich die Mindestanforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer einzuhalten, die in der auf der Grundlage des § 7a Wasserhaushaltsgesetz erlassenen Abwasserverordnung als Stand der Technik beschrieben sind. Sie werden laufend fortgeschrieben, so dass Anpassungen der Erlaubnisse und unter Umständen Erweiterungen von Kläranlagen erforderlich werden.

Die Wasserbehörden können weitergehende Reinigungsanforderungen festsetzen, wenn der Schutz des Gewässers oder der Gewässeranlieger es erfordert. Hierzu sind auf die Einleitungsstellen bezogene Gewässeruntersuchungen (Immissionsbetrachtungen) hinsichtlich der einzuleitenden Wassermengen und/oder der Wasserinhaltsstoffe durchzuführen.

Weitergehende Reinigungsanforderungen können auch freiwillig vom Einleiter übernommen werden. Die Gründe hierfür liegen oft in einem besonderen Engagement im Umweltschutz, einer staatlichen Förderung der zusätzlichen Investitionen oder dem Wunsch nach einer Verminderung der Abwasserabgabe.

Stand des Ausbaus kommunaler Kläranlagen

In derzeit 814 kommunalen Kläranlagen werden jährlich rund 198 Millionen Kubikmeter Abwasser (§ 30 LWG) gereinigt. Allein die 65 größten Kläranlagen des Landes mit einer Ausbaugröße größer 10.000 Einwohnerwerten weisen 85 Prozent der Reinigungskapazität auf und behandeln den überwiegenden Teil des im Lande anfallenden Schmutz- und Mischwassers.

Ausbaugröße Kleinkläranlagen Ausbaugröße Kleinkläranlagen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes S-H

Anzahl der Kläranlagen nach Ausbaugrößenklassen Anzahl der Kläranlagen nach Ausbaugrößenklassen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes S-H

Die Ausbaugröße ist in Einwohnerwerten angegeben. Dabei handelt es sich um die maximal anschließbaren Einwohner bzw. Einwohnergleichwerte von Abwässern aus Industrie- und/oder Gewerbebetrieben.

Anzahl kommunaler Kläranlagen Anzahl kommunaler Kläranlagen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, LLUR

Ausbauprogramme für Kläranlagen

Viele kommunale Kläranlagen in Schleswig-Holstein wurden im Rahmen freiwilliger Ausbauprogramme mit finanzieller Unterstützung des Landes so erweitert, dass die bundeseinheitlichen gesetzlichen Mindestanforderungen weit unterschritten werden. Dies gilt für die Pflanzennährstoffe Phosphor und Stickstoff sowie für Schadstoffe. Insbesondere Kläranlagen mit Ausbaugrößen über 10.000 Einwohnerwerten wurden seit 1988/89 im Rahmen

  • des "Phosphor-Sofort-Programms",
  • des "Dringlichkeitsprogramms der Landesregierung zur Entlastung von Nord- und Ostsee von Nährstoffeinträgen aus Abwassereinleitungen" und
  • des Programms zum "Ausbau kommunaler Kläranlagen mit Anschlusswerten von mehr als 10.000 Einwohnerwerten" entsprechend den Anforderungen der "Richtlinie des Rates vom 21.05.1991 über die Behandlung von kommunalem Abwasser (91/271/EWG)"

mit finanzieller Unterstützung des Landes freiwillig unter Einsatz der besten verfügbaren Technologie ausgebaut.

Spätestens mit der Massenentwicklung von Algen und dem Seehundsterben im Jahre 1988 wurde die Notwendigkeit eines umfassenden Gewässerschutzes und der Entlastung der Gewässer von Nähr- und Schadstoffeinträgen deutlich. Schleswig-Holstein hat hierzu in den oben genannten Programmen den Ausbau der kommunalen Kläranlagen unter dem Einsatz der besten verfügbaren Technologie vorangetrieben.

Gleichzeitig wurde damit das Ziel verfolgt, mittel- bis langfristig weitere kostenintensive Baumaßnahmen auf den Kläranlagen zu vermeiden. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird aus der Entwicklung der Reinigungsleistung der Kläranlagen und der in die Gewässer eingeleiteten Schadstoff- und Nährstofffrachten deutlich. Diese Stofffrachten führen zur Belastung der Gewässerökosysteme und können zur Überdüngung der Gewässer beitragen.

Aus der nachfolgenden Grafik wird die Steigerung der Reinigungsleistung der kommunalen Kläranlagen insbesondere bei der Stickstoffelimination sowie die damit einhergehende Verringerung der Einleitungsfrachten deutlich. Der chemische Sauerstoffbedarf ist eine Maßzahl zur Bestimmung des Verschmutzungsgrades des Abwassers.

Eingeleitete Schad- und Nährstoffe kommunaler Kläranlagen Eingeleitete Schad- und Nährstoffe kommunaler Kläranlagen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes S-H

Ausblick

Die in der Vergangenheit immer mehr reduzierten Schad- und Nährstofffrachten werden sich nach Durchführung der Maßnahmenprogramme nur noch unwesentlich durch Kläranlagen weiter reduzieren lassen, da mit der jetzt auf den Anlagen eingesetzten Behandlungstechnik insbesondere bei den großen Kläranlagen mindestens der Stand der Technik erreicht worden ist.

Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und des dabei angestrebten guten ökologischen Zustands der Gewässer kann es sich heraus stellen, dass punktuell eine weitere Reduzierung der Nähr- und Schadstoffeinträge aus Abwassereinleitungen erforderlich ist.

Das Hauptaugenmerk ist verstärkt auf die Optimierung des Betriebs und den Erhalt des Bestandes gerichtet. Dies betrifft sowohl die Reinigungsleistung, die möglichst konstant und sicher auf hohem Niveau liegen soll, als auch zum Beispiel die Reduzierung des Energie- und Betriebsmittelverbrauchs. Dies verlangt weiterhin qualifiziertes und motiviertes Betriebspersonal bei gleichzeitiger Intensivierung der Einleitungs- und Anlagenüberwachung.

Belastung mit Hormonen und anderen Chemikalien

Als ein mögliches Problemfeld zeichnet sich der mit den Abwassereinleitungen einhergehende Eintrag endokrin wirksamer Substanzen ab. Dabei handelt es sich um hormonell wirkende Chemikalien sowie Arzneimittel und andere gefährliche Stoffe. Diese Problemfelder werden weiterhin Gegenstand der Grundlagenforschung bleiben.
Ein 2007 durchgeführtes Messprogramm auf elf Stoffgruppen (Schwermetalle, Arzneimittel/Hormone, bromierte Flammschutzmittel, organische Stoffgruppen wie z. B. LAS und PFT, Organozinnverbindungen, polychlorierte Biphenyle, Pflanzenschutzmittel, leicht- und schwerflüchtige Kohlenwasserstoffe, (polyzyklische) aromatische Kohlenwasserstoffe) an zwölf ausgesuchten Kläranlagen hat zwar keinen unmittelbaren Handlungsbedarf ergeben, vergleichsweise auffällig geworden sind jedoch die prioritär gefährlichen Stoffe Nonyphenol und Di- bzw. Tributylzinn, die Schwermetalle Kupfer und Zink, die Pflanzenschutzmittel Glyphosat und Diuron sowie die Arzneimittel Carbamacepin und Diclofenac. Die Befunde von Nonyphenol und Di- bzw. Tributylzinn werden zum Anlass genommen, sie künftig mit in das Fließgewässermonitoring einzubeziehen.

Andere Verschmutzungsquellen

Durch den Ausbau der Kläranlagen können die Gewässer somit generell weitestgehend von Schad- und Nährstoffen aus kommunalen Schmutzwassereinleitungen freigehalten werden. Damit kommen nunmehr andere Verschmutzungsquellen wie die Landwirtschaft (diffuse Quellen) oder auch die Einleitung des von befestigten Flächen abfließenden Regenwassers in das Blickfeld wasserwirtschaftlicher Maßnahmen.

Eine überschlägige Analyse der Herkunft der in Gewässern gemessenen Nährstoffe zeigt beispielhaft die Verteilung der Einträge des Jahres 2004. Auf einzelne Gewässer und auf unterschiedliche Abflussjahre bezogen können sich deutliche Unterschiede ergeben.

Herkunft des Phosphors in Binnengewässern in % Herkunft des Phosphors in Binnengewässern in % (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes S-H

Ausbaugröße Kleinkläranlagen Herkunft des Stickstoffes in Binnengewässern in % (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes S-H

Abschätzung verschiedener Belastungsquellen am Gesamteintrag von Phosphor und Stickstoff in Binnengewässern Schleswig-Holsteins (Quelle: Landesamt für Lanwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume)