Der jüngste PISA-Ländervergleich
Mit PISA informiert die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ihre Mitgliedstaaten über Stärken und Schwächen der Bildungssysteme.
Verbesserungen in den Naturwissenschaften, konstante Leistungswerte in Mathematik und bei den Lesekompetenzen. Das sind die Ergebnisse des PISA (Programme for International Student Assesment)-Ländervergleichs 2006 für Schleswig-Holsteins 15-jährige Schülerinnen und Schüler.
Obwohl das Leistungsniveau in Mathematik und Lesen gleich geblieben ist und sich in den Naturwissenschaften sogar verbessert hat, muss sich Schleswig-Holstein bei PISA-2006-E jeweils mit schwächeren Platzierungen als bei PISA-2003-E begnügen. Mit 510 Punkten und Platz 10 (2003: 497 Punkte/Platz 8; 2000: 486 Punkte/Platz 6) in den Naturwissenschaften, 497 Punkten und Platz 11 (2003: 497 Punkte/Platz 7; 2000: 490 Punkte/Platz 5) in Mathematik sowie 485 Punkten und Platz 12 (2003: 488 Punkte/Platz 5; 2000: 478 Punkte/Platz 8) muss sich das Land aber nach wie vor nicht verstecken. Die Punktzahlen der Länder liegen teilweise sehr dicht beieinander, so dass sich ein breites Mittelfeld auf einem ähnlichen Leistungsniveau ergibt. Hier haben die Platzierungen angesichts der bei Stichprobenerhebungen üblichen Schätzfehler nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Die Gymnasien haben ihre guten Platzierungen im Vergleich der Länder weitgehend gehalten. In „Naturwissenschaften“ wurde mit 607 Punkten ein 5. Platz erreicht (2003: 598 Punkte/Platz 4), in „Mathe“ waren es 596 Punkte ein 3. Platz (2003: 591 Punkte/Platz 5), in „Lesen“ 585 Punkte und Platz 8 (2003: 585 Punkte/Platz 3).
Für Schleswig-Holstein wie für die Mehrzahl der anderen Länder bestehen nach wie vor die Herausforderungen, die bereits s nach der Veröffentlichung der internationalen PISA 2006-Ergebnisse festgestellt worden sind.
- Nach wie vor zeigen sich große Leistungsunterschiede zwischen den15-jährigen Schülerinnen und Schülern, die größer ausfallen als in vielen Staaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).
- Zu viele Schülerinnen und Schüler - vor allem aus sozial schwierigem Umfeld oder mit einem Migrationshintergrund - verlassen die Schule ohne die erforderlichen Grundlagen für einen erfolgreichen Übergang in die berufliche Ausbildung und für eine angemessene Lebensgestaltung.
- Nach wie vor besuchen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten Familien seltener ein Gymnasium und erreichen einen niedrigeren Leistungsstand.
Die wichtigsten Ergebnisse für Schleswig-Holstein im Überblick:
Verteilung auf Schulen und Klassenstufen
In der Tendenz ist der Anteil der Schüler/innen an Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen und Beruflichen Schulen leicht gestiegen, der von Schüler/innen an Hauptschulen zurückgegangen. Im Ländervergleich weist Schleswig-Holstein damit den niedrigsten Anteil von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern an den Gymnasien auf.
Von den getesteten 15-jährigen Schüler/innen besuchen nach eigenen Angaben (zum Vergleich Pisa 2003 in Klammern)
Hauptschule:26,7 % (29,3 %)
Berufliche Schule4,1 % (3,4 %)
Integr. Gesamtschule:7,1 % (6,5 %)
Realschule:32,1 % (31,4 %)
Gymnasium26,9 % (25,2 %)
Kompetenzunterschiede zwischen den Schularten
Zwischen den Leistungsergebnissen der Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Schularten liegen erhebliche Unterschiede, insbesondere zwischen Hauptschulen und Gymnasien, die dem Lernzuwachs mehrerer Schuljahre entsprechen.
In Mathematik liegen die Leistungen an den Gymnasien mit 596 Punkten deutlich über denen an den Realschulen (504 Punkte) und an den Gesamtschulen (498 Punkte), die sich im OECD- Durchschnitt (498 Punkte) befinden. Die Hauptschülerinnen und -schüler (411 Punkte) liegen erkennbar darunter.
Ein ähnliches Bild zeigt sich für die Naturwissenschaften mit 607 Punkten für die Gymnasien, 521 Punkte an Realschulen, 514 an Gesamtschulen und 422 an Hauptschulen (OECD- Mittelwert: 500 Punkte).
Noch größere Unterschiede zwischen den Schularten zeigen sich im Lesen mit 585 Punkten für die Gymnasien, 511 Punkte für die Realschulen, 503 Punkte für die Gesamtschulen und 387 für die Hauptschulen (OECD-Durchschnitt: 492 Punkte).
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf oder unter Kompetenzstufe I liegt an den Realschulen zwischen ca. 7 und 11 Prozent; an den Gesamtschulen zwischen ca. 9 und 14 Prozent, an den Hauptschulen zwischen ca. 43 und 61 Prozent. Alle Ergebnisse belegen
- einen großen Leistungsvorsprung der Gymnasien vor allen anderen Schulformen,
- einen leichten Vorsprung der Realschule gegenüber der Gesamtschule, im Vergleich zu anderen Bundesländern liegen die Leistungen beider Schularten dicht beieinander und im OECD-Durchschnitt,
- einen sehr großen Abstand der HS zu allen andern Schulformen.
Verzögerte Schullaufbahn
Trotz eines deutlichen Rückgangs gegenüber PISA 2003 (47,4%) ist der Anteil der 15-Jährigen mit verzögerter Schullaufbahn auch bei PISA 2006 mit 38,3 Prozent unter den 16 Bundesländern nach wie vor am höchsten.
Anteil der Schüler/innen in Schleswig-Holstein, die ein oder mehrere Schuljahre wiederholt haben und/ oder zurückgestellt wurden (zum Vergleich PISA 2003 in Klammern):
HS: 68,2 % (76,3 %),
IGS: 33,6 % (33,8 %),
RS: 35,7 % (42,7 %),
Gym: 13,0 % (23,5 %).
Soziale Herkunft
Auch für Schleswig-Holstein hat sich der Zusammenhang zwischen den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und ihrer sozialen Herkunft gegenüber PISA 2003 leicht entspannt. Er liegt im mittleren Bereich der Länder, aber immer noch über dem OECD- Durchschnitt.
Wie in allen anderen Ländern besuchen auch in Schleswig-Holstein Schüler aus der obersten Sozialschicht mehrheitlich das Gymnasium (46.9 % Schleswig-Holstein; 52,6 % Bundesdurchschnitt), der Anteil der 15-jährigen aus der untersten Sozialschicht, die ein Gymnasium besuchen, ist in Schleswig-Holstein mit 9,6 % unterdurchschnittlich (Bundesdurchschnitt 13,1 %). Allerdings hat der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der Chance auf einen Besuch des Gymnasiums gegenüber PISA 2003 leicht abgenommen.
Migranten
Schleswig-Holstein wies unter den westdeutschen Flächenländern mit den niedrigsten Anteil von 15-jährigen Schüler/innen mit einem Migrationshintergrund auf (ca. 12 %). Auch in Schleswig-Holstein bestehen zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund deutliche Unterschiede in der Kompetenzentwicklung. Diese Unterschiede fallen im Ländervergleich allerdings mit am geringsten aus. Das gilt auch für die Bildungsbeteiligung, also auf welche Schularten sich die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund verteilen.
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