Abitur nach acht Jahren

An den schleswig-holsteinischen Gymnasien können die Schülerinnen und Schüler nach acht oder nach neun Jahren das Abitur ablegen.

Das neue Schulgesetz eröffnet den schleswig-holsteinischen Gymnasien die Möglichkeit, entweder den neunjährigen oder den achtjährigen Bildungsgang oder beide Bildungsgänge parallel anzubieten. Die Entscheidung darüber trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter im Einvernehmen mit der Schulkonferenz und dem Schulträger. Der Beschluss muss vom Bildungsministerium genehmigt werden.

Der achtjährige Bildungsgang umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 9 sowie die sich anschließende dreijährige Oberstufe. Zum Schuljahr 2011/12 bieten 84 Gymnasien den verkürzten achtjährigen Bildungsgang an.

Fachanforderungen

Um den verkürzten Bildungsgang zu entlasten und trotz Flexibilisierung in der Sekundarstufe I die Einheitlichkeit für beide Bildungsgänge zu gewährleisten, wurden Fachanforderungen für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch herausgegeben, die für G8 und G9 gelten. Sie beschreiben auf der Basis der Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz verbindliche Kerninhalte und Wissensbestände für die Sekundarstufe I am Gymnasium. Die Fachanforderungen sichern damit auch die Anschlussfähigkeit an die Oberstufe und gelten sowohl für den acht- wie den neunjährigen Bildungsgang. Sie bilden eine Schnittstelle zwischen Bildungsstandards, Lehrplan und Schulinternem Fachcurriculum.

Intensivierungsstunden

Mit der Zuweisung von zwei Intensivierungsstunden pro Klasse für die Jahrgänge 5 bis 7 sollen die Schülerinnen und Schüler der achtjährigen gymnasialen Bildungsgänge entlastet werden. Intensivierungsstunden geben Zeit für ein Lernen in kleinen Gruppen, das der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler dienen soll. Auch die Lehrkräfte werden dadurch entlastet.

Kontingentstundentafel

Unterrichtet wird nach der Kontingentstundentafel. Sie legt fest, wie viele Wochenstunden jede Schülerin und jeder Schüler bis zum Schulabschluss erhalten soll. Die Kontingentstundentafel für den achtjährigen gymnasialen Bildungsgang sieht 163 bis 165 Stunden für die Jahrgangsstufen 5 bis 9 vor. Die Differenz von zwei Stunden ergibt sich aus dem erhöhten Anteil an Stunden für Schülerinnen und Schüler, die eine 3. Fremdsprache wählen. Im Einzelnen verteilt sich der Unterricht pro Woche folgendermaßen:

Orientierungsstufe - Jahrgang 5 und 6:
63 Wochenstunden insgesamt, die so verteilt werden können:
5. Jahrgang 1. Halbjahr 30 Stunden
5. Jahrgang 2. Halbjahr 32 Stunden
6. Jahrgang 1. Halbjahr 32 Stunden
6. Jahrgang 2. Halbjahr 32 Stunden
Das heißt: Im Durchschnitt 31 Wochenstunden in Jahrgang 5 und 32 Wochenstunden in Jahrgang 6.

Mittelstufe - Jahrgang 7 bis 9
100 bis 102 Wochenstunden insgesamt, die sich auf die Jahrgänge 7 bis 9 verteilen.

Oberstufe - Jahrgang 10 bis 12
97 Wochenstunden insgesamt, die sich auf die drei Jahrgänge verteilen.

Die Kontingentstundentafel verschafft den Schulen mehr Gestaltungsspielraum auch für Unterrichtsformen wie Epochenunterricht, offenen oder jahrgangsübergreifenden Unterricht.

Einrichtung und Förderung einer Mittagsbetreuung im achtjährigen gymnasialen Bildungsgang

Die im Zuge des verkürzten gymnasialen Bildungsganges vorgesehenen Unterrichtsstunden pro Woche können Nachmittagsunterricht zur Folge haben. Für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler während der Mittagspause gewährt das Land den Gymnasien Zuschüsse (siehe Richtlinie "Ganztag und Betreuung"). Antrags- und Verwendungsnachweisformulare finden Sie unter www.ganztagssschulen.lernnetz.de/Formulare
Im Schujahr 2010/11 wurde an 70 der insgesamt 99 Gymnasien eine pädagogische Mittagsbetreuung in den G8 (Abitur nach acht Jahren)-Jahrgängen gefördert.

Fremdsprachen

Die zweite Fremdsprache wird im achtjährigen Gymnasium bereits ab der Jahrgangsstufe 6 unterrichtet. Die dritte Fremdsprache, die als eine Option neben anderen Unterrichtsangeboten im Wahlpflichtbereich vorgesehen ist, kommt dann in der achten Jahrgangsstufe hinzu.

Fachcurricula G8

Die Lehrpläne in Schleswig-Holstein geben den Schulen die notwendigen Spielräume (Kompetenzorientierung und weniger stoffliche Vorgaben). Das Bildungsministeriums unterstützt die Schulen durch Orientierungshilfen für alle Fächer. Die Orientierungshilfen definieren Kompetenzerwartungen und enthalten entsprechende Aufgabenbeispiele. Die Orientierungshilfen können beim IQSH angefordert werden.

Fortbildungen

Lehrkräfte an Gymnasien erhalten auf die Umsetzung von G8 zugeschnittene Fortbildungsangebote, die die Entwicklung schulinterner Fachcurricula unter dem Leitgedanken individueller Förderung in den Mittelpunkt stellen. Außerdem können Schulen Moderatoren für Schulentwicklungstage und für die Beratung von Fachkonferenzen abrufen. Für das Schuljahr 2010/11 stehen allen Schulen je zwei Schulentwicklungstage zu.



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