Urnengräberfeld Segeberg LA 86

Zum Ende einer Großgrabung

Mit der Bergung der letzten drei Brandbestattungen gingen die im Oktober 2008 aufgenommenen archäologischen Geländearbeiten auf dem Urnengräberfeld Segeberg-Gieselhöhe nun zu Ende.

Im Verlauf dieser Untersuchungen konnte im in der projektierten Autobahntrasse A 20 ein Areal von 10100 m² vollständig  ausgegraben  werden. Weitere 16800 m² wurden durch Magnetometerprospektion abgedeckt. Im Bereich der Grabungsflächen gelang die Dokumentation von insgesamt 1271 Befunden. Größtenteils handelte es sich dabei um Brandbestattungen in Urnen (951 Stck.) in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Als zweithäufigste Befundgattung traten Steinpflaster und Steinsetzungen (113 Stck.) regelmäßiger und unregelmäßiger Form auf.

Die Ausdehnung des Bestattungsplatzes war nach Osten und Süden sicher bestimmbar. Nach Westen hin sind weitere ehemalige Bestattungsbereiche vermutlich bei der Anlage von ausgedehnten Wasserrückhaltebecken beim Ausbau der B 206 in den sechziger Jahren verloren gegangen. Sicher ist, dass sich das Gräberfeld auch im Norden der Bundesstraße weiter fortsetzte. Auch in diesem heute größtenteils überbauten Areal kamen seit Anfang des 20. Jh. beim Kiesabbau immer wieder zahlreiche Urnenbestattungen zutage, nach Schätzungen bis zu 1000 Exemplare. Dies lässt auf einen ehemals zusammenhängenden großen Bestattungsplatz schließen, wie wir ihn in Schleswig-Holstein etwa vom Brautberg in Bordesholm kennen.

In enger Zusammenarbeit mit den Werkstätten des Archäologischen Landesmuseums in Schleswig konnte sichergestellt werden, dass die zahlreichen geborgenen Metall- und Keramikfunde zeitnah restauriert und an die Ausgräber zur weiteren Bearbeitung, Bestimmung und Eingabe in Funddatenbanken zurückgeführt werden konnten. Bereits zum Abschluss der Grabungen können wir daher erkennen, dass im gesamten Zeitraum der Römischen Kaiserzeit (1.-4. Jh.) bis in die  Völkerwanderungszeit (4.-6. Jh.) Brandbestattungen vorgenommen wurden. Dies erschließt sich durch das Vorkommen nahezu aller charakteristischer Metall-Leittypen der archäologischen Kulturstufen A-D, die sich als erhaltene Trachtbestandteile in großer Zahl in den Urnen erhalten haben.

Im Fundmaterial werden zudem durch das Auftreten von Fremdformen „Fernkontakte“ zu Skandinavien, Süddeutschland und den Provinzen des Römischen Reiches sichtbar. Die detaillierte Auswertung dieser und weiterer Informationen wird vor diesem Hintergrund eine spannende Aufgabe sein.

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Filmrolle (Quelle stock.xchng)

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